Frühere Behauptungen, dass Mondphasen das menschliche Verhalten beeinflussen, stützten sich meist auf Anekdoten ohne fundierte wissenschaftliche Belege. Eine neue Studie, veröffentlicht in Science Advances, liefert jedoch klare Evidenz: Der Vollmond beeinträchtigt den Schlaf – die Ursachen sind noch ungeklärt.
Untersuchung von Schlafmustern in ländlichen und städtischen Gemeinschaften Argentiniens
Unter Leitung von Horacio de la Iglesia, Ph.D., Professor für Biologie an der University of Washington, untersuchte das Team drei indigene Toba/Qom-Gemeinschaften im Norden Argentiniens mit unterschiedlichem Zugang zu Strom: eine städtische, eine mit begrenztem Licht und eine vollständig netzunabhängige Gruppe.
Die Schlafstörungen zeigten sich vor allem bei den Gruppen mit wenig oder gar keinem Stromzugang.
„Unsere Hypothese war, dass ein Mond-Effekt nur in Gemeinschaften ohne oder mit minimalem elektrischem Licht aufträte, da diese das natürliche Mondlicht nutzen würden“, erklärt Leandro Casiraghi, Erstautor der Studie, in einem Zoom-Gespräch.
Die städtische Gruppe diente als Kontrolle, um den Einfluss zunehmender Entfernung von natürlichen Zyklen zu testen.
Mithilfe von Handgelenksmonitoren (ähnlich fortschrittlichen Fitness-Trackern) wurde der Schlaf über ein bis zwei Mondzyklen erfasst. Ergebnis: In den Gruppen ohne viel Elektrizität gingen die Teilnehmer in den drei bis fünf Tagen vor dem Vollmond später schlafen und schliefen kürzer. Überraschend: Dasselbe Muster zeigte sich auch in der städtischen Gruppe und widerlegte die Ausgangshypothese.
„Das war hochgradig überraschend“, erinnert sich Casiraghi. „Wir haben die Daten rund 10 Mal geprüft, bevor wir es akzeptierten.“
Ein unsichtbarer Mond-Einfluss auf den Schlaf
Die Forscher validierten ihre Ergebnisse mit Daten von 464 Studenten der University of Washington in Seattle. Auch hier traten ähnliche Verschiebungen auf: Späterer Schlafbeginn und kürzere Schlafdauer vor dem Vollmond, wenngleich die Schlafqualität (z. B. REM-Anteil) nicht beeinträchtigt war – der Fokus lag auf Timing und Dauer.
Schlussfolgerungen: Der Effekt ist weit verbreitet und nicht auf Mondlicht zurückzuführen. „Ein Computerbildschirm leuchtet heller als der Mond“, betont Casiraghi. „Das erklärt nicht, warum Seattle-Studenten betroffen sind.“ Moderne Beleuchtung trennt uns vom Mondlicht, also muss ein anderer Faktor wirken.
Zukünftige Forschung prüft Hypothesen wie den Einfluss der Mondgravitation auf biologische Rhythmen – ein Phänomen, das in Labors schwer testbar ist. Bis dahin lohnt es sich vielleicht, vor einem hellen Vollmond früher ins Bett zu gehen.