Kennen Sie diese frustrierenden Momente, in denen Ihnen etwas auf der Zunge liegt, Sie es aber nicht greifen können? Oder wenn Ihnen Stunden später plötzlich einfällt, was Sie morgens in einem Meeting brauchten? Solche Erlebnisse offenbaren die Kluft zwischen Gedächtnis und Erinnerung – zwei unterschiedliche Prozesse, die Stanford-Wissenschaftler hacken, um unser Erinnerungsvermögen zu optimieren.
"Beim Navigieren durchs Leben erleben wir Phasen der Frustration, weil wir Wissen nicht abrufen können, das gespeichert ist", erklärt Anthony Wagner, Lucie Stern Professorin für Sozialwissenschaften an der Stanford School of Humanities and Sciences. "Die Neurowissenschaft bietet nun Werkzeuge, um zu verstehen, warum jemand von einem Moment auf den anderen etwas Vergessenes nicht erinnert."
Die Lücke zwischen Gedächtnis und Erinnerung – und der Einfluss von Multitasking
Ein Forscherteam untersuchte, was den Gedächtnisabruf beeinflusst, insbesondere die Rolle des Multitaskings. Diese Erkenntnisse könnten Alzheimer besser erklären helfen und den Alltag verbessern – von gesteigerter Aufmerksamkeit bis hin zu besserem Behalten.
"Wir können nun erforschen, wie Gehirnnetzwerke für Aufmerksamkeit, Ziele und Gedächtnis mit individuellen Unterschieden im Gedächtnis älterer Menschen korrespondieren – unabhängig und im Kontext von Alzheimer", sagt Wagner.
Bei 80 Teilnehmern (18–26 Jahre) überwachten Forscher per EEG die Gehirnwellen (posteriore Alpha-Power) während Abruf- und Verfolgungsaufgaben. "Erhöhte Alpha-Power im Hinterkopf signalisiert Aufmerksamkeitslücken, Gedankenwandern und Ablenkbarkeit", erläutert Studienleiter Kevin Madore, Postdoktorand im Stanford Memory Lab.
Sie maßen auch Medien-Multitasking (z. B. SMS beim Fernsehen) und verglichen Gedächtnisleistungen. Multitasker mit schwächerer Aufrechterhaltung zeigten schlechtere Ergebnisse – eine Korrelation, keine Kausalität: "Schweres Medien-Multitasking verursacht nicht zwangsläufig Gedächtnisprobleme, doch wir lernen mehr über die Zusammenhänge", betont Madore.
So hacken Sie Ihr Gedächtnis: Praktische Tipps von Experten
"Aufmerksamkeit ist entscheidend für Lernen und Erinnern, aber vor dem Abruf passierende Dinge bestimmen, ob eine Erinnerung reaktiviert wird", erklärt Wagner.
Dazu gehören kontrollierbare Faktoren wie Gewohnheiten. Bewusstes Achten auf Aufmerksamkeit, Erinnerungsreadiness und Ablenkungsreduktion sind mächtige Tools. Die Forscher nennen es nicht so, doch es klingt nach Achtsamkeit: Bewusstsein, Akzeptanz, Verantwortung und Handeln.
Für besseres Gedächtnis und Abruf lohnt Achtsamkeitstraining. Kein Fan von Meditation? Probieren Sie Dehnen, tiefes Atmen oder Zeit in der Natur – einfache Übungen, die erden und wirken.