Statt jährlich Anti-Aging-Cremes, Haarfärbemittel und Schönheits-OPs einzusetzen, führen wir heute ein längeres und gesünderes Leben. Eine Studie in den Journals of Gerontology bestätigt: Wir sind auf dem besten Weg.
Forscher der Universität Jyväskylä in Finnland haben herausgefunden, dass Ältere körperlich und kognitiv fitter sind – sie werden mit zunehmendem Alter „jünger“ in Bezug auf Beweglichkeit und geistige Leistungsfähigkeit. Das verlängert nicht nur die Lebensspanne, sondern steigert auch die Gesundheit und Funktionalität bis ins hohe Alter.
Warum sind heutige Senioren fitter als vor 30 Jahren?
Die Experten testeten Fitness und Gehirnleistung bei 75- und 80-Jährigen aus den 2010er-Jahren und verglichen sie mit Gleichaltrigen von vor drei Jahrzehnten. Ergebnis: Die aktuelle Generation ist deutlich vitaler.
Bei beiden Gruppen maßen sie Gehgeschwindigkeit, Reflexe, Sprachflüssigkeit, logisches Denken und Arbeitsgedächtnis. Trotz gleichem Alter übertrafen die 2018er-Teilnehmer die aus 1990 bei allen Tests.
Zum Detail: Heutige Erwachsene gingen 0,2 bis 0,4 Meter pro Sekunde schneller, zeigten schnellere Reflexe, eine Griffstärke-Steigerung um 5 % bis 25 % sowie eine Kniestreckkraft-Verbesserung um 20 % bis 47 %.
Neben der körperlichen Fitness stiegen auch kognitive Fähigkeiten: Die Sprachkompetenz war bei 75-Jährigen 2018 um 12 % höher, bei 80-Jährigen sogar um 47 %.
„Leistungsbasierte Messungen zeigen, wie Ältere im Alltag zurechtkommen und welches funktionale Alter sie haben“, erklärt Leitstudienautorin Taina Rantanen, Ph.D., in einer Pressemitteilung.
Senioren altern nicht rückwärts wie Benjamin Button, doch ihr funktionales Alter ist jünger – verglichen mit früheren Generationen.
Gründe für die Verbesserungen
Für schnellere Schritte und mehr Muskelkraft nennt Doktorandin Kaisa Koivunen, Co-Autorin, höhere körperliche Aktivität und wachsende Körpergröße. Kognitive Fortschritte könnten auf längere Bildung zurückgehen.
„Die jüngeren 75- und 80-Jährigen wuchsen und lebten in einer anderen Welt“, sagt Forscher Matti Munukka. „Bessere Ernährung, Hygiene, Gesundheitsversorgung, Bildung, Schulen und Arbeitsbedingungen prägten sie.“
Die Studie zeigt: Mit steigender Lebenserwartung verbessert sich die Lebensqualität im Mittalter, da die körperliche Fitness länger anhält. Am Lebensende steigt jedoch der Pflegebedarf.
„Unser Bild vom Altern ist veraltet“, betont Rantanen. „Bei Älteren laufen zwei Prozesse parallel: Mehr gesunde Jahre bis ins Hohe Alter und zunehmend Pflegebedürftige über 90.“