Einer der beunruhigendsten Aspekte von COVID-19 sind die vielen Unbekannten – vor allem die Ängste um persönliche Risikofaktoren oder jene geliebter Menschen. Betroffene mit Autoimmunerkrankungen sind besonders besorgt, da Komorbiditäten und Immunsuppression das Risiko einer Infektion oder schwereren Verläufe erhöhen können.
Wichtig: Nicht alle Autoimmunerkrankungen führen zu einer geschwächten Immunität. Und nicht jede Erkrankung steigert das COVID-19-Risiko. Manche in Kombination mit immunsuppressiven Therapien können jedoch die Anfälligkeit erhöhen. Medizinische Experten raten daher den meisten Betroffenen, sich als Risikogruppe zu sehen und strengere Schutzmaßnahmen zu treffen. Jeder kann infiziert werden – halten Sie Abstand, waschen Sie Hände und folgen Sie den Hygieneregeln.
Ein Überblick über häufige Autoimmunerkrankungen und den aktuellen Wissensstand:
Hashimoto-Thyreoiditis
Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen erhöhen derzeit nicht das Risiko. Bei der SARS-Epidemie 2002 gab es Hinweise auf Schilddrüsenschäden durch verwandte Coronaviren. Jede schwere Infektion kann die Schilddrüsenfunktion stören. Bei COVID-19-Erkrankung und bestehender Autoimmunthyreoiditis auf Symptome achten: Lassen Sie bei Bedarf TSH, fT3/fT4 testen und Medikamente anpassen.
Rheumatoide Arthritis
Laut Arthritis Foundation gilt rheumatoide Arthritis (RA) nicht als Hochrisikofaktor für COVID-19-Infektionen oder schwere Verläufe. Bestimmte Therapeutika zur Immunsuppression können jedoch das Risiko steigern.
Entzündliche Darmerkrankungen (IBD)
Zu IBD zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Immunsuppressive Mittel wie Steroide, Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder Methotrexat erhöhen die Virusanfälligkeit. Das Risiko hängt von Erkrankungsschwere, Aktivität und Medikation ab. Die Crohn's & Colitis Foundation rät: Medikamente fortsetzen, um Schübe zu vermeiden. Bei Auffälligkeiten Arzt konsultieren.
Zöliakie
Prof. Alessio Fasano (Celiac Disease Foundation) betont: Gut kontrollierte Zöliakie entspricht dem Risiko der Normalbevölkerung. Bei aktiver Erkrankung steigt die Anfälligkeit – strikte Glutenfreiheit ist essenziell.
Lupus
Bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) besteht höheres Infektionsrisiko, inklusive Viren wie Erkältungen oder Grippe. COVID-19 wird ähnlich wirken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Vorsorge und Symptome; maximale Schutzhaltung einnehmen.
Typ-1-Diabetes
Schlechte Blutzuckerkontrolle erhöht Infektionsrisiken und Komplikationen. Sorgen Sie für ausreichend Insulinvorrat (z. B. 60–90 Tage), besprechen Sie mit dem Arzt.
Multiple Sklerose (MS)
MS und einige Therapien (DMTs) können Risiko und Schweregrad steigern. Das National MS Society Advisory Committee empfiehlt:
- CDC-Richtlinien und Zusatzmaßnahmen für Risikogruppen befolgen.
- Krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs) fortsetzen, Risiken mit MS-Spezialisten besprechen.
- Vor zelldepletierenden DMTs Risiken (Alter, Komorbiditäten) abwägen.
Achten Sie auf atypische Symptome: Immungeschwächte spüren oft keine klassischen Anzeichen, sondern Dehydrierung oder Atemnot zuerst – besonders bei Alter >65, Diabetes, Herz-/Lungenleiden oder Therapien wie Steroiden/Chemotherapie.
Erhöhen immunsuppressive Medikamente das COVID-19-Risiko?
Immunsuppressiva steigern Virusanfälligkeit, sind aber essenziell für Symptomkontrolle. Niemals eigenmächtig absetzen – Folgen können das Risiko verschärfen. Beispiele:
- Steroide (Prednison/Prednisolon)
- Immunmodulatoren: Thiopurine (Azathioprin, 6-Mercaptopurin), Cyclosporin, Methotrexat
- JAK-Inhibitoren: Tofacitinib (Xeljanz), Olumiant, Rinvoq
- Biologika: Cimzia, Humira, Remicade, Simponi, Renflexis, Inflectra, Xifi, Stelara, Entyvio
Keine Immunsuppressiva (kein erhöhtes Risiko): Mesalamin (Asacol etc.) oder Aminosalicylate.
Diese unsichere Zeit belastet besonders Risikobetroffene. Bleiben Sie ruhig: Schützen Sie sich konsequent, essen Sie gesund, schlafen Sie ausreichend, reduzieren Sie Stress. So stärken Sie Ihr Immunsystem.