Der Placebo-Effekt fasziniert Ärzte und Patienten seit Jahrhunderten. Bei bestimmten Erkrankungen – von klinischer Depression bis hin zum Reizdarmsyndrom – berichten Patienten nach der Einnahme eines Placebos oder einer scheinbar unwirksamen Behandlung von einer spürbaren Symptomlinderung, einschließlich Schmerzminderung. Jahrzehntelange Studien haben diesen Effekt gemessen, erklärt und bestätigt.
Laut einer aktuellen Untersuchung der Northwestern University haben Forscher nun eine Antwort auf die zentrale Frage vieler Patienten: Wird ein Placebo bei mir wirken?
Die Studie zeigt: Anhand von Gehirnanatomie und psychologischen Merkmalen lassen sich geeignete Kandidaten identifizieren. 43 Personen mit chronischen Rückenschmerzen erhielten eine Placebo-Pille, ohne zu wissen, ob es sich um ein echtes Medikament handelte. Etwa die Hälfte erlebte eine 30-prozentige Schmerzlinderung – vergleichbar mit vielen zugelassenen Arzneimitteln. Responder wiesen Ähnlichkeiten auf: Größere Volumina in emotions- und belohnungsbezogenen Hirnregionen wie Amygdala, Nucleus accumbens und Hippocampus. Zudem waren sie emotional selbstbewusster, achtsamer und schmerzempfindlicher.
„Ihr Gehirn ist bereits darauf eingestellt zu reagieren“, erklärt Apkar Vania Apkarian, Ph.D., Physiologieprofessor an der Northwestern University und Leiter der Studie, in einer Pressemitteilung. „Sie besitzen die passende Psychologie und Biologie, die sie in einen Zustand versetzt, in dem Schmerzen abnehmen, sobald man sagt: ‚Das könnte helfen‘.“
Diese Erkenntnisse markieren einen Meilenstein, um zu verstehen, wann Ärzte Placebos einsetzen sollten. Bei passenden Patienten ist der Effekt besonders zuverlässig.
Weitere Forschung ist nötig, um Placebos ethisch und effektiv in die Medizin zu integrieren. Doch als natürliche Option ohne Nebenwirkungen könnte diese Therapie künftig eine große Rolle spielen.
„Es ist besser, ein inaktives Mittel zu geben und dasselbe Ergebnis zu erzielen, als ein aktives mit Risiken“, betont Dr. Apkarian. „Viele Medikamente bergen Langzeitnebenwirkungen oder Suchtpotenzial. Placebos sind eine gleichwertige Alternative.“