Schlafentzug dominiert die Schlagzeilen – zurecht. Laut den US Centers for Disease Control and Prevention erreichen nur zwei von drei Amerikanern die empfohlenen 7–9 Stunden Schlaf pro Nacht. Das erhöht das Risiko für Diabetes, Schlaganfall, Bluthochdruck und Fettleibigkeit erheblich.
Was ist mit zu viel Schlaf? Zwischen 1985 und 2007 stieg der Anteil der Amerikaner, die mehr als 9 Stunden pro Nacht schliefen, von 27 auf 37 Prozent, wie eine Studie im American Journal of Epidemiology zeigt. Gleichzeitig sank die Zahl der Schlafmangel-Betroffenen. Zu viel Schlaf ist also häufiger als zu wenig.
Aktuelle Forschung
Mehr Schlaf zu protokollieren, klingt wie eine Lösung für Erschöpfung – doch zu viel Schlaf birgt Risiken. Eine neue Studie im European Heart Journal mit Daten aus 21 Ländern belegt: Über 8 Stunden Schlaf pro Nacht steigern das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Schlaganfall und Herzinsuffizienz um bis zu 41 Prozent.
Meta-Analysen aus 137 Studien von 2018 bestätigen Zusammenhänge zwischen langem Schlaf und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes sowie Fettleibigkeit – denselben Problemen wie bei Schlafmangel.
Zu viel oder zu wenig?
Dr. Daniel J. Buysse, Professor für Schlafmedizin an der University of Pittsburgh School of Medicine, betont: Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Langer Schlaf könnte auf undiagnostizierte Erkrankungen wie Depressionen hindeuten.
„Menschen, die länger schlafen, sind oft übergewichtig, weniger aktiv oder haben Vorerkrankungen, die Herzrisiken steigern“, erklärt Dr. Vaishnavi Kundel, Schlafspezialistin an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York.
Zusätzlicher Schlaf kann Vorteile bringen, etwa für Sportler. College-Basketballspieler, die auf 10 Stunden Schlaf kamen, zeigten schnellere Sprints, bessere Reaktionszeiten und präzisere Würfe. Ähnlich profitierten Fußballspieler mit über 8 Stunden von höherem VO2max und längerer Ausdauer.
Der ideale Bereich liegt bei 7–9 Stunden, sagt Dr. Kundel. Gelegentliche Extra-Stunden sind unproblematisch, aber chronisches Überschlafen sollte alarmieren.
Das Fazit
Herzrisiken zu mindern, gelingt nicht einfach durch kürzeren Schlaf. „Es fehlen Studien, die zeigen, dass Langschläfer durch Verkürzung ihrer Schlafzeit Risiken senken“, warnt Buysse.
Schlafen Sie regelmäßig mehr als 9 Stunden? Konsultieren Sie einen Arzt, um Ursachen abzuklären und gesunde Schlafgewohnheiten zu etablieren.