Wir verbringen rund 90 % unserer Zeit in Innenräumen. Der Mangel an Sonnenlicht und frischer Luft kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken.
In Innenräumen sind Schadstoffkonzentrationen wie Kohlenmonoxid, Schimmelpilze und flüchtige organische Verbindungen oft höher. Luftverschmutzung indoors wird mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Atemwegserkrankungen und Herzproblemen in Verbindung gebracht. Zu wenig natürliches Licht erhöht zudem das Stresshormon Cortisol und senkt den Melatoninspiegel – ein Risikofaktor für Depressionen und Schlafstörungen.
Die magische Zahl: 120 Minuten pro Woche
Sie müssen nicht Ihr Büro in den Park verlegen oder das Laufband durch Joggen ersetzen (beides super Ideen zur Vitamin-D-Steigerung). Eine aktuelle Studie in Scientific Reports zeigt: 120 Minuten pro Woche im Freien reichen, um Gesundheit und Wohlbefinden spürbar zu verbessern.
Die Effekte sind unabhängig von der Aufteilung der Zeit, erklärt Co-Autor Ian Alcock, PhD, Research Fellow an der University of Exeter. Ob 120 Minuten an einem Wochenende oder 20 Minuten täglich – je öfter, desto besser.
„Positive Assoziationen erreichen ihren Höhepunkt bei 200 bis 300 Minuten. Die Wahrscheinlichkeit, gute Gesundheit und hohes Wohlbefinden zu berichten, steigt deutlich über 2 bis 3 Stunden hinaus“, ergänzt Alcock.
Vorteile von Natur und Bewegung
Die Studie klärt nicht, warum Natur hilft, doch Alcock nennt Pausen von Bildschirmen, Stressreduktion, soziale Kontakte und Aktivität.
„Vergleichbare Vorteile zeigen sich bei Trainierenden und Nicht-Trainierenden“, betont er.
120 Minuten wöchentlich sind eine kleine Investition mit großen Effekten. Neben besserer Selbsteinschätzung der Gesundheit belegen weitere Studien: Natur reduziert Schmerzen, verbessert Sicht, Stimmung und Konzentration. Eine 2018er-Studie verbindet Grünzeit mit geringerem Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Tod.
Mehr Energie durch Natur
Ihr Training profitiert ebenfalls. Eine Studie im Journal of Environmental Psychology fand: 20 Minuten draußen wirken wie eine Tasse Kaffee – ohne Crash.
45 Minuten Wandern im Freien statt auf dem Laufband ließen Probanden wacher und weniger erschöpft fühlen (Studie 2017).
Margaret M. Hansen, EdD, Professorin für Pflege an der University of San Francisco, erforscht Waldbaden. „Im Wald, mit allen Sinnen achtsam, schmilzt Stress dahin“, sagt sie. Ihre Arbeit im International Journal of Environmental Research and Public Health sieht Naturtherapie als universelles Modell gegen Stress.
„Städte sind jung, Krankheiten neu – im Vergleich zu naturnahen Zeiten. Zurück zur Natur für Gesundheit und Wohlbefinden“, rät Hansen.
Alles braucht es: 120 Minuten pro Woche.