Es ist vielen bekannt, dass beim Einschlafen oder im Schlaf ungewöhnliche Empfindungen auftreten können. "Menschen berichten häufig von 'seltsamen' Dingen während oder um den Schlaf herum", erklärt Dr. Stephanie Stahl, Schlafmedizinerin an der Indiana University Health in Indianapolis und Assistenzprofessorin für klinische Medizin an der Indiana University School of Medicine. Die gute Nachricht: "Viele dieser Erfahrungen sind nicht besorgniserregend, besonders wenn sie selten auftreten", betont Stahl.
Allerdings können einige dieser Schlafphänomene Ängste auslösen und den erholsamen Schlaf erschweren, so Frida Rångtell, PhD, Schlafpädagogin und Beraterin bei Sleep Cycle. Um zu klären, was normal ist und wann man handeln sollte, haben wir mit Schlafexperten die sechs häufigsten Fälle besprochen – inklusive praktischer Tipps.
1. Plötzliche Zuckungen oder "Ruckeln" beim Einschlafen
Diese hypnagoge oder hypnische Zuckungen entstehen durch kurze Muskelkontraktionen beim Übergang in den Schlaf. "Etwa zwei Drittel der Menschen erleben sie irgendwann", sagt Stahl.
Dr. Daniel Rifkin, zertifizierter Schlafspezialist und CEO von Ognomy, erklärt: "Die genaue Ursache ist unbekannt, doch es handelt sich um Gehirnsignale, die die Muskelentspannung beim Einschlafen steuern. Sie dauern unter einer Sekunde und können mit einem Fallgefühl einhergehen." Auslöser sind Schlafmangel, zu viel Koffein, Schlafapnoe, Stress oder intensives Training, ergänzt Stahl.
Was Sie tun können: Meist unbedenklich. "Überprüfen Sie Ihre Schlafroutine und Hygiene, um Auslöser zu minimieren", rät Rångtell. Hilft das nicht, Arzt konsultieren. Lauri Leadley, klinische Schlafpädagogin und Gründerin des Valley Sleep Center, empfiehlt: "Sehen Sie es positiv – Ihr Körper schläft ein. Atmen Sie tief und entspannen Sie sich."
2. Hören oder Sehen von Dingen beim Einschlafen
"Schlafbezogene Halluzinationen treten im Wach-Schlaf-Übergang auf – hypnagog (einschlafend) oder hypnopomp (aufwachend)", beschreibt Stahl. Rifkin: "Das Gehirn ist halb wach, halb schlafend." Sie entstehen oft beim REM-Eintritt, wenn Bewusstsein bleibt – verständlicherweise beunruhigend.
Was Sie tun können: Bei Erschöpfung seltener. Ausruhen hilft. Häufig oder störend? Schlafspezialist aufsuchen, rät Rifkin.
3. Juckende oder unruhige Beine vor dem Schlafengehen
"Restless-Legs-Syndrom (RLS) verursacht ein unangenehmes Gefühl in Beinen oder Armen, das Bewegungen erzwingt", sagt Rifkin. Ursachen: Eisenmangel, Nierenerkrankungen, Medikamente (z. B. Antidepressiva, Antihistaminika), Alkohol, Koffein, Nikotin oder Genetik, listet Stahl auf.
Was Sie tun können: Eisenreiches Essen zuerst probieren. Häufig? Arztbesuch mit Untersuchung, empfiehlt Rifkin.
4. Aufwachen mit Lähmung nach einem Traum
Schlaflähmung dauert Sekunden bis Minuten. "Im REM-Schlaf blockiert das Gehirn Bewegungen, um Träume nicht auszuleben. Beim Aufwachen bleibt die Blockade manchmal", erklärt Stahl. Beängstigend, aber harmlos.
Was Sie tun können: Regelmäßigen Schlafrhythmus, gute Hygiene und Seitenschlaf halten. Wiederkehrend oder ängstigend? Arzt konsultieren, rät Rångtell.
5. Lauter "Knall" beim Einschlafen oder Aufwachen
Exploding-Head-Syndrom: Plötzliches lautes Geräuschgefühl, oft stress- oder schlafmangelbedingt, sagt Stahl.
Was Sie tun können: Umdrehen und weiterschlafen. Wiederholt? Lebensstil checken (Stress, Koffein), ggf. abklären lassen, rät Rifkin.
6. Träume ausleben
"REM-Verhaltensstörung (RBD): Muskelblockade fehlschlägt, Sie bewegen sich im Traum", warnt Rifkin. Gefährlich für Sie und Partner.
Was Sie tun können: Sofort Arzt/Schlafspezialist – kann auf Parkinson hindeuten, betont Rifkin.