DeuAq.com >> Leben >  >> Reisen

Overtourismus auf Island bekämpfen: Herausforderungen und Wege in die Zukunft

2018 kamen auf einen Einheimischen sechs Touristen nach Island. Als das Overtourismus-Problem eskaliert, analysiert Reiseexperte Keith Drew die Folgen des rasanten Booms und skizziert Perspektiven für ein nachhaltiges Island.

Als ich mit meiner Stirnlampe über die Decke der Víðgelmir-Höhle leuchtete, zeichneten sich die gezackten, rostfarbenen Stalaktiten im Halblicht ab, ebenso die komplexen Wirbel, die uralte Lavaflüsse in die Felswand gefressen hatten. Für einen Moment, als mein Führer vor mir in der Dunkelheit verschwand, fühlte ich mich herrlich allein. In Island ein seltenes Erlebnis heutzutage.

Der Besucheranstieg auf dieser Vulkaninsel im Nordatlantik ist atemberaubend.

2010, während Island sich von der Finanzkrise erholte, brach der Eyjafjallajökull aus. Die Aschewolke lähmte Flüge bis ins Mittelmeer – Island war plötzlich weltbekannt.

In jenem Jahr besuchten knapp 490.000 Touristen heiße Quellen, Gletscher und dramatische Landschaften. Bis 2017 stieg die Zahl auf 2,3 Millionen.

Fragen sich die Einheimischen nicht, ob etwas passieren muss?

In Reykjavík drückt es den Wohnungsmarkt. Die meisten Besucher übernachten in der Hauptstadt; fehlende Hotelzimmer führen dazu, dass Apartments nun Touristen beherbergen.

„Unsere Stadt ist lebendiger und vielfältiger durch den Tourismus“, sagt Sveinn Hólmar Guðmundsson, ein lokaler Bewohner, „aber die Mieten explodieren.“ Wie viele Isländer sieht er beide Seiten: Tourismus schuf seit 2010 die Hälfte aller Jobs (inklusive seinem) und trieb Löhne auf Niveau knapp unter der Schweiz – Europas höchste. Doch das tröstet wenig, wenn man in der eigenen Stadt keine Wohnung findet.

Außerhalb Reykjavíks mahnt die Natur: Kann Island die Massen stemmen? Welche Spuren hinterlassen sie in diesem empfindlichen Ökosystem?

An der Südküste zeigen Reifenspuren auf Kiesflächen illegales Offroad-Fahren. Im Þingvellir-Nationalpark, wo der Rift der nordamerikanischen und eurasischen Platte sichtbar ist, berichtet ein Ranger von Campern, die Moosblöcke rissen – Narben, die Jahre zur Heilung brauchen.

„Die Natur zieht Reisende an“, betont Sif Gustavsson, Ex-Direktorin von Visit Iceland USA und CEO von Iceland Cool. „Verlieren wir sie, verlieren wir alles.“ Sie initiiert Kampagnen für verantwortungsvolles Reisen.

Marketing hilft, doch Investitionen sind entscheidend. Der Tourist Site Protection Fund nutzt Steuergelder zum Naturschutz. Gustavsson plädiert für Eintrittsgelder in Nationalparks: „Derzeit kostenlos – anderswo unüblich. Die Einnahmen könnten die fragile Umwelt schützen.“

Die Balance ist delikat. Island ist teuer; zusätzliche Kosten müssen sich rechtfertigen. Eine geplante Verdopplung der Mehrwertsteuer scheiterte aus Abbruchangst.

Kaum etwas hält die Massen fern: Die raue Schönheit fasziniert bei Geysir, Gullfoss und Þingvellir im Goldenen Kreis. Im Sommer quillt es vor Parkplätzen und Kameras bei Strokkurs Eruptionen.

Wie Overtourismus managen, ohne Überfüllung? „Wir pushen die Nebensaison“, erklärt Sigríður Dögg Guðmundsdóttir von Promote Iceland. Island als Winterziel boomt.

Bestätigt: Mein Oktoberbesuch brachte Ruhe, günstige Preise und Nordlichter auf einer Elding-Bootsfahrt in die Faxaflói-Bucht.

Verteilen über Jahr und Land: „Island ist unentdeckt“, sagt Guðmundsdóttir. Sie lenkt weg von Reykjavík/Südwesten.

Westisland, nah der Hauptstadt, doch abgelegen: Víðgelmir-Lavahöhle, Langjökull mit 500m-Gletschertour durch Tunnel und Spalten.

Am letzten Morgen in der Blauen Lagune wurde mir klar: Touristen müssen beides schätzen, damit Island gedeiht.

Sehen Sie Reykjavík, Blaue Lagune & Highlights – sie sind top – aber auch abgelegene Ecken.

Reisen Sie Sommer wie Winter.

Ihr Geld schützt die Umwelt, wenn die Regierung richtig handelt.

Keith Drew übernachtete im zentralen Vaktahús, ehemaliges Wächterhaus in Reykjavík, und im nachhaltigen Hotel Húsafell am Langjökull.

Kopfzeilenbild: b-Szene ausblenden/Shutterstock.