Alte und gebrauchte Kleidung erfreut sich heute größerer Beliebtheit als je zuvor und wird in neuem Glanz präsentiert. Die umweltbelastenden Auswirkungen der Modebranche, insbesondere durch Fast Fashion und Denim-Produktion, sind seit über einem Jahrzehnt ein heiß diskutiertes Thema. Doch nun gewinnt Slow Fashion an Schwung, und recycelte Kleidung findet bei Verbrauchern zunehmend Anklang. Die Pandemie hat Second-Hand-Mode regelrecht belebt – vor allem in Indien haben Modebegeisterte ihre Haltung zu gebrauchter Kleidung gewandelt und sie enthusiastisch angenommen.Laut einem Bericht einer Bekleidungsplattform soll Fast Fashion in den nächsten 10 Jahren um 20 % wachsen, während der Second-Hand-Markt um beeindruckende 185 % expandieren wird. Globale Marken springen auf diesen Zug auf: Gucci kooperiert kürzlich mit The RealReal im Wiederverkauf, und Levi's startete Levi's SecondHand mit einem Denim-Rückkaufprogramm für nachhaltige Mode.
Neben der Nachhaltigkeit treibt der pandemiebedingte wirtschaftliche Einbruch viele zu günstigeren Alternativen.
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"Junges Indien kauft verantwortungsvoller"
"In Indien gab es immer eine unterschätzte Nachfrage nach Second-Hand-Artikeln – ohne dass es bewusst als Trend galt", erklärt Namrata Iyer, Designerin, Illustratorin und Gründerin von The Local Thrift. "Vor 2020 existierten Instagram-Shops und Flohmärkte, doch die Pandemie schuf mehr Screen-Time und ließ den Second-Hand-Markt auf Instagram explodieren. Im jungen Indien wächst das Bewusstsein für ökologische und soziale Themen; Verbraucher wollen verantwortungsvolle Kaufentscheidungen treffen. Gebrauchtkleidung ist die einfachste Lösung. Zudem tragen Second-Hand-Stücke eine eigene Geschichte und einzigartigen Stil – das fasziniert viele." Second-Hand-Mode eignet sich ideal für Recycling, Upcycling, Wiederverkauf und Neugestaltung alter Teile, was Abfall reduziert und Mülldeponien entlastet.

Eine junge Kundin stöbert in einer Pop-up-Ausstellung durch wiederbelebte Second-Hand-Kleidung.
Bild: The Local Thrift
Namrata Iyer betont, dass Second-Hand-Trends mit Jahreszeiten wechseln: "Nachgefragte Artikel variieren je nach Markttrend. Früher boomten Korsetts und Dessous, im Winter Strickwaren, Mäntel und Pullover – nun sorgen sommerliche Stücke für höhere Absätze."

Handverlesen, trendy und einzigartig: Die Stil-Vorteile von Gebrauchtkleidung
Asenla Jamir, Gründerin und Kreativdirektorin von Otsü Clothing Co., sieht zusätzlich den Ausfall günstiger Online-Shops wie Shein oder Romwe als Treiber: "Second-Hand ist günstiger als große Marken und passt perfekt zur wirtschaftlichen Unsicherheit. Meine Marke nutzt handverlesene Vintage-Teile, upcycelt mit Naga-Textilien und geretteten Stoffen – Hemden, Röcke, Blazer, Hosen und Kleider. Saisonlose Designs mit einteiligen Artikeln minimieren Massenproduktion, soziale Ausbeutung und Umweltbelastung, fördern Individualität und Zero-Waste."


Schauspielerin Evelyn Sharma, Betreiberin der Upcycling-Linie Seams for Dreams, ergänzt: "Weniger Einkommen, geschlossene Läden und Restriktionen machten Second-Hand attraktiv – getrieben von Erschwinglichkeit in der COVID-Krise. Verbraucher kaufen weniger unnötige, aber hochwertigere Stücke statt Fast Fashion. Nachhaltigkeit ist zentral: Zirkuläre Mode reduziert Abfall und Fast-Fashion-Konsum."


Social Media katapultierten den Trend: Instagram-Plattformen von Designern und Labels fördern bewussten Konsum und Spenden. "Niedrige Einstiegshürden, breites Publikum", sagt Namrata. Asenla fügt hinzu: "Pandemie-Zeit machte Social Media zum Lebenselixier – es boostete Instagram-Shops und Influencer förderten Second-Hand breit."