Haben Sie je einen Roboter betrachtet, der fast zu menschlich wirkt, und dabei ein mulmiges Gefühl verspürt? Das ist das Uncanny Valley – ein Phänomen, das viele von uns kennen.
Diese Theorie geht auf das Jahr 1970 zurück und beschreibt ein wachsendes Unbehagen, je menschenähnlicher ein Roboter wird.
Warum löst das aus? Und wie gehen wir damit in einer robotisierten Zukunft um?
Was ist das Uncanny Valley?
Die Theorie des Uncanny Valley, populär gemacht vom japanischen Robotiker Masahiro Mori, illustriert in einem Diagramm unsere Wahrnehmung von Robotern: Je ähnlicher sie Menschen sind, desto sympathischer wirken sie – bis zu einem Punkt.
„Mori bemerkte eine Ausnahme: Wenn ein künstlicher Agent einem Menschen zu ähnlich wird, kippt die Sympathie in Unbehagen oder Abstoßung um. Das ist das Uncanny Valley“, erklärt Prof. Dr. Fabian Grabenhorst, Experte für experimentelle Psychologie an der Universität Oxford.
Im Tal wirkt ein Roboter vertraut menschlich, doch subtile Unterschiede erzeugen ein gruseliges Gefühl der Fremdheit.
Bekannte Beispiele: Roboter von Engineered Arts, Hanson Robotics (Sophia) oder der Malroboter Ai-Da (siehe unten).
Diese Maschinen ahmen Aussehen, Sprache und Bewegungen nach, bleiben aber roboterhaft unvollständig.
Was verursacht das Uncanny-Valley-Gefühl?
Es gibt keinen einzelnen Grund, doch plausible Erklärungen – oft kombiniert – stammen aus Neurowissenschaften, Psychologie und Evolution.
Neurologisch
Die führende Hypothese: Gehirnsignale reagieren auf hohe Menschähnlichkeit gepaart mit Nicht-Menschlichkeit.
Prof. Grabenhorst und sein Team untersuchten 2019 in einer fMRT-Studie mit 21 Probanden den neurologischen Hintergrund.
„Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist das Uncanny Valley eine neuronale Reaktion auf spezifische Merkmalskombinationen“, sagt er. „Ein Neuron könnte stärker feuern, je menschenähnlicher der Agent – was die Tal-Kurve erklärt.“
In zwei Tests zeigten Bilder von Menschen und Robotern variierender Ähnlichkeit. Probanden wählten Geschenke für vertrauenswürdige Figuren – meiden taten sie Grenzfälle.
Gehirnaktivität in sozialen Arealen (z. B. medialer präfrontaler Kortex) signalisierte Konflikte: Menschenerkennung vs. Abstoßung.
Psychologisch
Sigmund Freud beschrieb 1919 ein ähnliches Unbehagen bei Wachsfiguren oder Puppen – Zweifel, ob Unbelebtes beseelt ist.
Bei menschenähnlichen Robotern entsteht vergleichbare Ambiguität.
Evolutionär
Fast-menschliche Roboter mit Fehlern (leblose Haut, verzerrte Züge) wecken Ekel – ein uralter Schutz vor Infektionen.
Kognitiv
Instinktive Selbsterhaltung, Existenzangst oder „Vorhersagefehler“ (Verstoß gegen Erwartungen an Mensch/Roboter) verstärken das Gefühl.
Berühmte Uncanny-Valley-Beispiele
Ameca
Engineered Arts’ Ameca (Cornwall, UK) imitiert Emotionen wie Überraschung und Lachen – hochrealistisch, doch tal-tief unheimlich.
Sophia
Hanson Robotics’ Sophia (seit 2016) basiert auf Nofretete, Hepburn und der Schöpferin – plastisch-menschlich, aber gruselig beweglich.
Geminoid HI
Kopie des Robotikers Hiroshi Ishiguro – kopiert Stimme und Gesten, provoziert Fragen zur Menschlichkeit.
Ai-Da
Ultrarealistischer Künstlerroboter mit Augen-Kameras und KI-Arm. Weltweite Ausstellungen – faszinierend, doch verstörend.
Kann man das Uncanny Valley umgehen?
Mori riet: Markieren Sie Roboter klar als Maschinen (z. B. sichtbare Drähte).
„Vermeiden Sie Perfektion, um Ambiguität auszuschließen“, empfiehlt Grabenhorst.
Langfristig: Gewöhnung durch Exposition könnte Hirnreaktionen mildern – positive Erfahrungen adaptieren soziale Areale, Restaversion möglich.
Über unseren Experten Fabian Grabenhorst
Fabian Grabenhorst ist außerordentlicher Professor für experimentelle Psychologie an der Universität Oxford. 2019 leitete er eine Schlüsselstudie zum Uncanny Valley.Weiterlesen:
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