Die Faszination für künstliche Intelligenz (KI) ist zwar aktuell enorm, doch das Feld existiert seit den 1950er Jahren. Über sechs Jahrzehnte hinweg wurden uns Visionen von perfekten Wäschefalt-Robotern, souveränen Übersetzungsmaschinen und fliegenden Autos aus Die Jetsons versprochen. Synthetische Kognition aufzubauen erwies sich jedoch als immense Herausforderung. Lange galten diese Ideen als Science-Fiction von überoptimistischen Pionieren.
Doch nun ändert sich alles grundlegend.
Aus den 'KI-Wintern' hat sich die Technologie emanzipiert – ein Gräuel für Investoren und Wirtschaftsführer ist sie nicht mehr. Erfolge wie Waymos selbstfahrende Autos, Amazons Alexa, SparkCognitions vorausschauende Wartungslösungen und SenseTimes Gesichtserkennung beweisen: KI ist realisierbar. Wie Präsident Putin sagte, kann sie 'die Welt regieren'.
Als KI-Experte mit Arbeit beim US-Militär, der Denkfabrik Center for a New American Security (CNAS) in Washington D.C. und als Gründer eines der schnellstwachsenden US-KI-Unternehmen, SparkCognition, sehe ich klar: Gesellschaften, Militärs und Individuen müssen sich vorbereiten.
Vor allem die Wirtschaft steht im Fokus.
Der Verschmelzung von KI und Robotik wird nachhaltig auf Jobs einwirken. Nach der Mechanisierung menschlicher Muskeln folgt nun der synthetische Geist – fast jede Arbeit könnte automatisierbar werden. Kurzfristig sind Effekte moderat, mittelfristig dramatisch.
Laut PricewaterhouseCoopers (PwC) sind bis Anfang der 2020er Jahre 2 % der britischen Jobs betroffen, bis Mitte der 2030er bis zu 30 %.
Betroffen sind weiße und blaue Kragen, niedrig- und hochbezahlte Berufe gleichermaßen. Eine Independent-Studie listet Piloten (1.800 £/Woche) und CEOs (1.580,70 £) oben, Callcenter-Mitarbeiter (326 £), Kammerdiener (309 £), Kellner (266 £) und Kindergärtnerinnen (295 £) unten. KI kann Pilotentätigkeiten übernehmen – weniger Piloten pro Flug. Fortschritte in Sprachverarbeitung, RPA und Text-to-Speech bedrohen Callcenter. Autonome Autos könnten Parkservices reduzieren.
Jobs mit zwei Merkmalen widerstehen jedoch: Erstens solche mit 'menschlicher Note', wie Pflegeberufe – subjektive Wärme bleibt unersetzlich. Zweitens handwerklich-künstlerische Tätigkeiten, deren Wert wir durch menschliche Urheberschaft definieren. Ein Roboter malt fotorealistisch, doch Rembrandts 'Sturm auf dem See Genezareth' fasziniert durch die Idee eines menschlichen Geistes, nicht Perfektion.
Reicht das bei 30 % Automatisierung? Nein. In meinem Buch The Sentient Machine: The Coming Age of Artificial Intelligence argumentiere ich: KI zwingt uns zur Selbstreflexion. Unser Wert liegt nicht in Leistung, sondern in einzigartiger Perspektive auf abstrakte und reale Welten. Maschinen sind schneller, erobern aber die Unendlichkeit der Ideen nicht.
Wirtschaftlicher Wert entsteht durch gesellschaftliche Übereinkunft. Stars verdienen viel – nicht durch Physik, sondern Konsens. Diese Freiheit erlaubt Anpassung: Universelles Grundeinkommen, Robotersteuer oder Erdenmiete. Es braucht politische Innovation neben technologischer.
Politiker, oft abgehängt, müssen einbezogen werden – für Gesetze, die Bürgern KI-Vorteile sichern, statt sie zu Opfern zu machen.

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