Als Experten in Tierverhalten, Ökologie und Veterinärmedizin neue Erkenntnisse gewinnen, werden alte Dogmen zum Hunde-Training revidiert. Basierend auf Aussagen führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beleuchten wir hier die fünf größten Mythen.
Hunde streben danach, Sie zu dominieren
Der Glaube, Hunde würden ständig versuchen, die Oberhand über ihre Menschen zu gewinnen und zum "Alpha" im Haushalt zu werden, ist einer der hartnäckigsten Mythen. Diese Idee stammt aus den 1940er Jahren von einem Wolfsforscher und basierte auf Beobachtungen gefangener Wölfe ohne natürliche Rudelstrukturen in einem Gehege.
Als Ökologen diesen Fehler korrigierten, hatte die "Dominanztheorie" sich bereits in Trainingskreisen festgesetzt – viele Trainer schwören noch heute darauf.
"Es wird dauern, bis dieser Mythos verschwindet", erklärt Wildtierbiologin Gabi Fleury in meinem Buch Wonderdog.
Leckerlis sind pure Bestechung
"Besonders stört mich die Ansicht, Leckerlis seien Bestechung", sagt Verhaltensforscherin Madeleine Goumas. Solche Bedenken wurzeln in der Erwartung, Hunde sollten aus purer Unterwerfung gehorchen, statt Belohnungen anzustreben.
"Warum sollen Hunde gelerntes Verhalten ohne Anreiz wiederholen?", fragt Neurowissenschaftlerin Alice Gray, selbst Hundefreundin. "Ich entlohne meinen Hund für seine Arbeit – mit Leckerlis, Spiel oder Lob!"
Alte Hunde lassen sich keine neuen Tricks beibringen
Selbst ich bin darauf hereingefallen: Nach dem Welpenalter hielt ich das Training für abgeschlossen. Tatsächlich ist es ein lebenslanger Prozess, der regelmäßig aufgefrischt werden muss. Wir haben es durch spielerische Übungen auf Spaziergängen integriert.
"Das gilt besonders für Rückruf und Führen am Leinen – essenziell für Sicherheit von Hund, Mensch und Wildtieren", betont Wildhundeforscherin Dani Rabaiotti.
Manchmal muss man hart durchgreifen
"Viele Trainer setzen noch auf Strafen, doch positive Verstärkung ist effektiver", erklärt Tierschutzexpertin Nicola Clements. Belohnungsbasiertes Training fördert besseren Gehorsam, stärkere Bindung und schnellere Lernerfolge.
"Der Mythos, man müsse brutal sein, hält sich hartnäckig", sagt Evolutionsbiologe Ben Garrod. "Stattdessen reichen Vertrauen, Geduld und Konsistenz."
Es gibt nur eine Trainingsmethode für alle Hunde
Studien aus den 1950er und 1960er Jahren zeigten: Hunde-Persönlichkeiten entstehen durch Gene (rassebedingt) und frühe Erfahrungen.
"Kein Training passt für jeden Hund", warnt Ökologin Charlotte Dacre. "Jeder hat eine individuelle Persönlichkeit – Trainer müssen das berücksichtigen."
Für professionellen Rat: Konsultieren Sie Ihren Tierarzt oder zertifizierte Verhaltensspezialisten (www.abtc.org.uk).
Wonderdog: Wie die Wissenschaft der Hunde die Wissenschaft des Lebens veränderte von Jules Howard (17,99 £, Bloomsbury Sigma).
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