Entgegen dem Sprichwort sind Mäuse alles andere als leise: Als hochsoziale Tiere kommunizieren sie ständig über komplexe Ultraschalllaute, die oft jenseits des menschlichen Hörvermögens liegen und sich schwer von Hintergrundgeräuschen abheben lassen.
Ein Forscherteam der University of Washington, spezialisiert auf die Wirkungen von Suchtstoffen wie Alkohol und Opioiden, hat die Software DeepSqueak entwickelt. Sie konvertiert Audiosignale in Sonogramme – visuelle Schallrepräsentationen –, die KI-Algorithmen analysieren, vergleichbar mit der Objekterkennung autonomer Fahrzeuge. So trennen Wissenschaftler präzise die Nagetierlaute vom Störgeräusch.
„Die Tiere verfügen über ein reiches Repertoire von rund 20 Rufarten“, erklärt Dr. Kevin Coffey, Postdoktorand im Neumaier-Labor. Männliche Nagetiere erzeugen fröhliche Laute beim Warten auf Belohnungen wie Zucker oder beim Spielen mit Männchen. Bei weiblicher Nähe werden die Rufe komplexer, wie ein Balzgesang – besonders intensiv, wenn sie das Weibchen nur riechen, aber nicht sehen. Das deutet auf stadienabhängige Balzrufe hin.
Dank geringer Kosten und hoher Benutzerfreundlichkeit soll DeepSqueak zukünftig den psychischen Zustand von Nagetieren im Suchtentzug überwachen und bessere Therapien ermöglichen.
„Ein tieferes Verständnis, wie Medikamente Gehirnaktivität und Emotionen verändern, könnte zu innovativen Suchtbehandlungen führen“, so Laborleiter Prof. John Neumaier.