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Mark Lynas: Kann Rewilding der Schlüssel zu Großbritanniens Klimazielen sein?

Die offiziellen Klimaberater der britischen Regierung warnen: Um die Bedrohung durch den menschengemachten Klimawandel zu bekämpfen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null sinken.

Allein durch weniger fossile Brennstoffe und begrenzte Reisen wird das Ziel kaum erreichbar. Welche Alternativen gibt es?

Die Umweltorganisation Rewilding Britain plädiert dafür, große Flächen in ihren natürlichen Urzustand vor der intensiven Landwirtschaft zurückzuversetzen – etwa durch Wiederherstellung von Torfmooren, Heiden und Salzwiesen als natürliche Kohlenstoffspeicher.

In dieser Folge des Science Focus Podcast spricht BBC Science Focus-Redakteur Jason Goodyer mit Umweltforscher Mark Lynas über die Vorteile der Rewilding-Strategie.

Wir haben über 75 spannende Folgen des Science Focus Podcast. Hier einige Empfehlungen:

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Lesen Sie das bearbeitete Interview aus dem BBC Science Focus Magazine

Was genau ist Rewilding?

Rewilding unterscheidet sich vom klassischen Naturschutz, der oft auf einzelne Arten oder kleine Reservate abzielt.

Es geht darum, Wildnis über weite Flächen zurückzubringen. Ökosysteme erneuern sich selbst, gestalten das Land und lassen Arten ihre natürliche Dynamik entfalten – ohne dass Menschen jeden Detail vorgeben.

Sind bestimmte Landschaften besonders geeignet?

Der Bericht "Rewilding Britain" hebt britische Hochland-Torfmoore hervor, die durch Trockenlegung, Verbrennung und Überveidung durch Schafe zerstört wurden. Diese ausgedehnten Flächen bergen enormes Potenzial als Kohlenstoffspeicher.

Sie müssen vernässt werden, damit torfbildende Pflanzen zurückkehren. Weidetiere reduzieren, damit die Moore Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden können.

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Wie groß muss der Umfang sein, um Emissionen spürbar zu senken?

Wir rechnen mit etwa sechs Millionen Hektar. Das könnte rund 10 % der britischen Emissionen einsparen. Netto-Null reicht nicht: Wir müssen auch den bereits freigesetzten Kohlenstoff zurückholen, um 1,5- oder 2-Grad-Ziele zu schaffen.

Rewilderte Ökosysteme sind eine effektive Methode dafür.

Was denken Bauern und Landbesitzer?

Landwirtschaft ist ein Business. Rewilding Britain fordert Unterstützung für Landwirte bei ökologischer Restaurierung und Kohlenstoffbindung – nicht freiwillig, sondern finanziell abgesichert.

Optionen wie Ökotourismus helfen, doch Subventionsreform ist entscheidend. Viele Farmen, besonders im Hochland, leben von Flächenzahlungen, die Umweltschutz ignorieren.

Strukturieren wir Subventionen um, um Übergänge zu Rewilding und nachhaltiger Nutzung zu fördern.

Wie unterscheidet sich das von heutigen Subventionen?

Fast alle Großbetriebe kassieren Hektarzahlungen aus der EU-Agrarpolitik. Brexit eröffnet Chancen für ein nachhaltigeres System: Zahlungen an Kohlenstoffbindung koppeln.

Beispiel: Wie viel bindet ein regenerierender Wald pro Hektar? Wie viel ein vernässtes Torfmoor? Festen Preis setzen – und zahlen.

Können Tiere eine Rolle spielen?

Ja, Ökosysteme brauchen Tiere. Schlüsselarten wie Biber als "Ökosystem-Ingenieure" schaffen Feuchtgebiete, verbessern Habitate und fördern Kohlenstoffbindung.

Raubtiere wie Luchs oder Habichte balancieren das System. Arten wie Wildschweine, Fischadler oder Luchse sollten zurückkehren. Mehr Biodiversität stabilisiert die Nahrungsketten.