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Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Vor acht Jahren, als eine eisige Kälte die Wälder nördlich von Alberta in Kanada erfasste, stieß ein Arbeiter in einer Bitumenmine zufällig auf etwas Außergewöhnliches. Sein Bagger klirrte gegen Felsen von ungewöhnlicher Farbe – das best erhaltenste Fossil eines gepanzerten Dinosauriers, ein Ankylosaurier, der 2017 den Namen Borealopelta erhielt.

Nach der Bergung gelangte das 110 Millionen Jahre alte Fossil ins Royal Tyrrell Museum of Palaeontology in Drumheller, Alberta. Dort investierten Techniker sechs Jahre und 7.000 Stunden, um den umgebenden Felsen behutsam abzutragen. Das Ergebnis: Ein nahezu vollständiges Exemplar von fast sechs Metern Länge, vom Kopf bis zu den Hüften, inklusive Hautreste, Panzerplatten und Stacheln – eher eine Statue als ein typisches Fossil.

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Die dunklen Flecken erregten die Aufmerksamkeit von Dr. Jakob Vinther, Paläobiologe und Fossilfarben-Experte der University of Bristol. Analysen von Abstrichen offenbarten Spuren rötlichen Phäomelanins – ein Hinweis auf die Hautfarbe. Borealopelta gehört nun zu den wenigen Dinosauriern, die ihr wahres Aussehen preisgeben.

Haut- und Federfarben wirken nebensächlich, doch sie revolutionieren unser Verständnis von Dinosaurierverhalten. Moderne Tiere nutzen Farben zur Tarnung, Kommunikation, Partnerwahl und Abwehr. Dinosaurier taten dasselbe.

Heute kennen wir die Farben von Exemplaren wie Borealopelta, Caihong und Sinosauropteryx. Fortschrittliche Techniken versprechen weitere Enthüllungen, während Experten neue Erkenntnisse über das Leben dieser Giganten gewinnen.

Die Wissenschaft der Dinosaurierfarben

Als Dr. Vinther im Dezember 2016 das Borealopelta-Fossil in Drumheller begutachtete, war er überwältigt: „Ein spektakuläres Exemplar – es wirkt unglaublich lebendig und emotional berührend.“

Noch faszinierender: Spuren von Phäomelanin, einem Melanin-Pigment, das für Rottöne bei Tieren (und rothaarigen Menschen) verantwortlich ist. Besonders bemerkenswert war das Gegenschattierungsmuster – eine klassische Tarnstrategie: Dunkler Rücken, hellere Unterseite, um Schatten auszugleichen und für Raubtiere flacher zu wirken.

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

„Fast 100 Prozent der kleinen Wildtiere zeigen Gegenschattierung“, erklärt Vinther. „Sie ist universell, außer bei zu großen Tieren.“ Deshalb schockierte sie bei einem 1,3 Tonnen schweren Panzerdinosaurier: Die Kreidezeit musste von furchterregenden Räubern dominiert sein, wie dem 11 Meter langen Acrocanthosaurus.

Vinther fand ähnliche Muster bei Sinosauropteryx (putengroßer Fleischfresser mit rötlich-braunem Flaumfell, weißem Schwanzstreifen und Banditenmaske) und Psittacosaurus (retrievergroßer Pflanzenfresser mit rotbrauner Schuppenhaut und Schwanzborsten). Ihre Anpassungen passten zu bewaldeten oder offenen Habitaten.

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Pionierforschung

Die ersten Farbentdeckungen stammen aus 2010: Vinthers Yale-Team und Prof. Mike Bentons Bristol-Gruppe analysierten Melanosomen – versteinerten Melanin-Pakete in Federn. Ihre Form korreliert mit Farben: Runde für Phäomelanin (rötlich), wurstförmige für Eumelanin (schwarz/braun).

So wurde Archaeopteryx schwarz-weiß, Mikroraptor blauschwarz glänzend und Caihong regenbogenfarben wie ein Kolibri. Baumbewohner konnten bunte Schillereffekte für Paarung nutzen, während Bodenbewohner tarnfarben blieben.

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Raubtiere mit exzellenter Sicht – wie moderne Vögel mit UV-Empfindlichkeit – erzwangen präzise Tarnung. Kein Platz für psychedelische Farben am Boden.

Offene Fragen

Die Forschung ist kontrovers: Kritiker wie Dr. Maria McNamara (University College Cork) mahnen, dass Carotinoide (für leuchtende Farben) selten fossil erhalten sind. Doch Vinther betont: Carotinoide waren vor den Singvögeln weniger dominant.

Neue Analysen jagen weitere Pigmente. „Es geht um Evolution und Verhalten“, sagt McNamara. Benton: „Farbeforschung verdrängt Spekulationen – wir können nun Muster und Verhalten rekonstruieren.“

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Jedes neue Fossil birgt farbenprächtige Geschichten, die wir endlich lesen können.

Technicolor-Dinosaurier

Farben von sieben Dinosauriern enthüllt

Anchiornis huxleyi

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: 40 cm, Spannweite 50 cm

Gewicht: 250 g

Gelebt: Nordostchina, Spätjura (vor 160 Mio. Jahren)

Krähengroßer, vierflügeliger Flieger. Bekannt aus Hunderten Fossilien.

Microraptor gui

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: Bis 80 cm, Spannweite 1 m

Gewicht: 1 kg

Gelebt: Nordostchina, frühe Kreide (vor 120 Mio. Jahren)

Vierflügeliger Gleiter, Velociraptor-Verwandter. Über 300 Skelette gefunden.

Borealopelta markmitchelli

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: 5,5 m

Gewicht: 1,3 Tonnen

Gelebt: Westkanada, mittlere Kreide (vor 110 Mio. Jahren)

Gepanzerter Nodosaurier. Stacheln vielleicht zur Partneranzeige.

Caihong juji

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: 40 cm

Gewicht: 500 g

Gelebt: Nordostchina, Spätjura (vor 160 Mio. Jahren)

Entengroßer Gleiter. Name: „Regenbogen mit großem Kamm“.

Archaeopteryx lithographica

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: Bis 50 cm, Spannweite 50 cm

Gewicht: 1 kg

Gelebt: Süddeutschland, Spätjura (vor 150 Mio. Jahren)

Frühester Vogel? Schwacher Flieger ohne starkes Brustbein.

Psittacosaurus sp.

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: 1-2 m

Gewicht: 20 kg oder mehr

Gelebt: Asien, mittlere Kreide (vor 110 Mio. Jahren)

Bipedaler Pflanzenfresser mit Schwanzborsten. Bis 11 Arten bekannt.

Sinosauropteryx prima

Dinosaurier in echten Farben: Revolutionäre Entdeckungen aus Fossilien

Länge: Etwas mehr als 1 m

Gewicht: 550 g

Gelebt: Nordostchina, frühe Kreide (vor 124 Mio. Jahren)

Erster Dinosaurier mit bestätigten Federn (1996).

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