Neue Forschungsergebnisse belegen: Küken werden mit der angeborenen Fähigkeit geboren, verschiedene Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren.
Experten der Universität Trento und der Queen Mary University of London erklären, dass Jungvögel dieses Wissen bereits mitbringen – sie fliehen vor Raubtieren, ohne es lernen zu müssen.
Die Studie zeigt zudem: Die Küken wissen intuitiv, wann sie langsamer werden oder einfrieren müssen, um bei entfernten Bedrohungen unentdeckt zu bleiben.
Veröffentlicht in der renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences, unterstreicht die Arbeit, dass diese Reaktionen nicht erlernt, sondern angeboren sind.
Dr. Elisabetta Versace, Co-Autorin von der Queen Mary University of London, betont: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Tiere zu Beginn ihres Lebens gut gerüstet sind, um mit Bedrohungen in ihrer Umgebung fertig zu werden. Sie besitzen angeborene Veranlagungen, die ihnen das Überleben erleichtern.“
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Forscher heben hervor: Angemessene Reaktionen auf Raubtiere sind überlebenswichtig. Das Erlernen durch Trial-and-Error birgt hohe Risiken und kann tödlich enden.
Bisher fehlten klare Belege, dass Flucht- und Erstarrungsreaktionen rein instinktiv sind – diese Studie liefert nun überzeugende Evidenz.
Professor Giorgio Vallortigara, Leiter des Teams an der Universität Trento, erklärt: „Zusammen mit unseren früheren Studien zu sozialen Prädispositionen, die jungen Küken und Menschen helfen, mit Artgenossen zu interagieren, zeigen diese Ergebnisse: Wir werden nicht als unbeschriebenes Blatt geboren, sondern mit ausgeklügelten Mechanismen, die uns ermöglichen, auf bestimmte Reize mit passenden Strategien zu reagieren.“
Im Experiment durften die frisch geschlüpften Küken keine beweglichen Objekte sehen. Dennoch reagierten sie bei der ersten Begegnung perfekt: Sie flohen vor nahenden Bedrohungen – wie einem Greifvogel über dem Kopf – und wurden bei entfernten Reizen (z. B. ein Objekt, das vorüberzieht) langsamer.
Küken eignen sich ideal für solche Tests, da sie sich unmittelbar nach dem Schlüpfen selbstständig bewegen und fressen können, im Unterschied zu vielen anderen Tieren.
Über die neuronalen Grundlagen solcher angeborenen Reaktionen auf visuelle Bedrohungen ist noch viel zu erforschen.
Ähnliche Instinkte beobachten wir bei menschlichen Säuglingen; auch Erwachsene zeigen in Extremfällen wie Bränden oder Übergriffen Gefrierreaktionen.
Dr. Marie Hebert, Erstautorin der Studie von der Universität Trento, untersucht derzeit, welche Hirnregionen bei Küken durch visuelle Bedrohungen aktiviert werden.