Ein "Maushirsch", der seit drei Jahrzehnten nicht mehr lebend dokumentiert wurde, ist in Vietnam in freier Wildbahn entdeckt worden.
Der Silberrücken-Chevrotain, eine hirschähnliche Art in der Größe eines Kaninchens, zeigt einen charakteristischen silbernen Glanz auf dem Rücken. Er hält sich in einer von Wilderern geplagten Region Vietnams auf. Diese scheuen Einzelgänger wiegen etwa 4 Kilogramm, laufen auf den Spitzen ihrer Hufe und besitzen zwei winzige Reißzähne.
Das Tier, auch als Vietnam-Maushirsch bekannt, wurde zuletzt 1990 nachgewiesen. Es ist das erste Säugetier, das von der Liste der 25 meistgesuchten "verlorenen Arten" der Global Wildlife Conservation (GWC) gestrichen werden konnte.
Der vietnamesische Maushirsch (Tragulus versicolor) wurde erstmals 1910 beschrieben, basierend auf Exemplaren aus der Nähe von Nha Trang, Vietnam. Seit 1990 gab es keine wissenschaftlich validierten Sichtungen mehr. Man fürchtete, dass intensive Fallenjagd die Art an den Rand des Aussterbens gebracht habe.
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Details zur Wiederentdeckung wurden im Fachjournal Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.
An Nguyen, Associate Conservation Scientist bei GWC und Leiter des Expeditionsteams, berichtet: „Wir hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde. Ich war überrascht und überglücklich, als wir die Kamerafallen prüften und Fotos eines Chevrotains mit silbernen Flanken sahen.“
„So lange existierte diese Art scheinbar nur in unserer Vorstellung. Ihre Wiederentdeckung ist der erste Schritt, um sie nicht erneut zu verlieren. Wir handeln nun schnell, um den besten Schutz zu ermitteln.“
Nguyens Team führte Interviews mit Einheimischen in drei vietnamesischen Provinzen durch, um Sichtungen zu identifizieren, die mit dem Silberrücken-Chevrotain übereinstimmen. Anschließend installierten sie für fünf Monate drei Kamerafallen in einem südlichen Gebiet, wo Locals das Tier gesehen haben wollten. Ergebnis: 275 Fotos der Art.
Im selben Bereich folgten weitere 29 Kameras – über fünf Monate hinweg entstanden 1.881 Aufnahmen des Chevrotains.

Wissenschaftler kennen die Ökologie und den Bestand der Art kaum. Sie zählt zu den höchsten Prioritäten für den Schutz von Säugetieren in den Großen Annamiten, einem Schlüsselhabitat der GWC.
Hoang Minh Duc, Leiter der Zoologie-Abteilung am Southern Institute of Ecology, betont: „Die Wiederentdeckung des Silberrücken-Chevrotains gibt große Hoffnung für den Erhalt der Biodiversität – insbesondere bedrohter Arten – in Vietnam.“
Weltweit gibt es 10 Chevrotain-Arten, vorwiegend in Asien. Trotz des Namens "Maushirsch" sind sie weder Mäuse noch Rehe, sondern die kleinsten Huftiere der Welt.
Ein Team untersucht nun Populationsgröße, Verbreitung und Bedrohungen, um effektiven Schutz zu sichern.
Die Autoren schlussfolgern: Obwohl die Wissenschaft die Art als "wiederentdeckt" betrachtet, galt sie lokal nie als verloren.