Die Herzfrequenz des Blauwals – des größten Tieres der Erde – wurde erstmals von Forschern aufgezeichnet.
Das Team wartete, bis der Wal an die Oberfläche kam, und befestigte dann mit einer langen Stange ein nicht-invasives Elektrokardiogramm an seiner Haut. Vier Saugnäpfe hielten das mit Sensoren ausgestattete Etikett nahe der linken Flosse fest, wo Elektroden in zwei Saugnapfzentren die Herzfrequenz präzise erfassten.
Jeremy Goldbogen, Assistenzprofessor für Biologie an der Stanford University und Hauptautor der Studie, berichtet: „Wir hatten keine Ahnung, ob das funktionieren würde. Wir waren skeptisch, selbst als die ersten Daten vorlagen.“
„Mit einem extrem scharfen Auge entdeckte Paul Ponganis von der Scripps Institution of Oceanography die ersten Herzschläge. Es hagelte High-Fives und Freudensprünge im Labor.“
Die Analyse zeigt: Das Herz des Blauwals arbeitet an seiner physiologischen Grenze. Dies könnte erklären, warum sich diese Giganten nie größer entwickelt haben – der Energiebedarf eines noch massiveren Körpers würe das Herz überfordern.
Die bahnbrechende Studie, veröffentlicht in Proceedings of the National Academy of Sciences, beleuchtet die extremen Schwankungen der Herzfrequenz beim Tauchen, Fressen und Auftauchen.
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Blauwale drosseln ihre Herzfrequenz für tiefe Tauchgänge, mobilisieren aber Energie für Vorstöße, Wasserfiltern und Fressen.
Über 8,5 Stunden wurde die Herzfrequenz in der Monterey Bay überwacht. Tauchgänge zur Nahrungssuche dauerten bis zu 16,5 Minuten bei Tiefen von 184 Metern; Oberflächenpausen meist unter vier Minuten.
Beim Tauchen sank die Frequenz auf mindestens zwei Schläge pro Minute – weit unter der prognostizierten Ruhewert von 15 bpm. Beim Lungenfressen stieg sie auf das 2,5-Fache der Minimumsrate an.
Nach tiefen Tauchgängen schnellte sie an der Oberfläche auf 37 bpm – nahe der Maximalleistung –, während der Wal Sauerstoff nachlud. Die Ergebnisse offenbaren die meisterhafte Anpassung des Wal-Kreislaufsystems.

Vor zehn Jahren maßen Goldbogen und Ponganis die Herzfrequenz tauchender Kaiserpinguine und träumten von Walen.
Goldbogen: „Es war ein riskantes Unterfangen: Blauwal finden, perfekte Platzierung, Hautkontakt, funktionales Gerät – alles mußte stimmen.“