Experten haben den weit verbreiteten Mythos widerlegt, dass Londons Halsbandsittiche von Jimi Hendrix oder während der Dreharbeiten zu einem Humphrey-Bogart-Film ins Vereinigte Königreich gelangten.
Mithilfe geografischer Profile analysierten Wissenschaftler Sichtungen der hellgrünen Vögel (Psittacula krameri) aus einem halben Jahrhundert.
Die im Journal of Zoology veröffentlichte Studie fand keine Belege für diese Herkunftsmythen der britischen Sittiche.
Der bunte Vogel bevölkert Großbritannien seit Jahrzehnten, doch seine erste Einführung bleibt ungeklärt.
Eine Theorie führt sie auf Flüchtlinge vom Set von The African Queen zurück, gedreht 1951 in Ealing. Eine andere besagt, Hendrix habe sie in den 1960er Jahren in der Carnaby Street freigelassen.
Weitere Hypothesen nennen Entkommenes Geflügel aus Syon Park in den 1970er Jahren – nach einem Flugzeugabsturz ins Volieren-Dach – oder Schäden durch den Großen Sturm von 1987.
Trotz Sichtungen bereits aus den 1860er Jahren, betonen die Forscher.
Mehr über Vögel lesen:
- Singvögel steuern bewusst ihre Rufe
- Vögel werden kleiner, je wärmer das Klima wird
- Vögel füttern: Kann das Füttern von Entenbrot mehr schaden als nützen?
Eine neue räumliche Analyse, gestützt auf umfangreiche Zeitungsarchive, zeigt: Großbritanniens Sittich-Boom resultiert aus zahlreichen unbeabsichtigten und absichtlichen Freisetzungen von Haustieren.
Forscher der Queen Mary University of London, UCL und Goldsmiths, University of London, schlussfolgern, dass Freilassungen zwischen 1929–1931 und 1952 durch sensationalistische Berichte über das tödliche „Papageienfieber“ befeuert wurden.
Geografisches Profiling – eine Methode aus der Kriminologie – half, Muster in über 5.000 Sichtungen von 1968 bis 2018 zu analysieren.
Diese Technik priorisiert Verdächtige bei Serientaten, indem sie Tatorte kartiert.
Orte wie Worton Hall Studios, Syon Park oder Carnaby Street fielen nicht prominent auf.

Geografisches Profiling legt Tatortkarten über ein Gebiet, um den Wohn- oder Arbeitsort des Täters einzugrenzen. Bei biologischen Daten identifiziert es Ursprünge von Invasionen oder Krankheiten.
Hauptautor Steven Le Comber: „Der Halsbandsittich ist in 34 Ländern auf fünf Kontinenten eine erfolgreiche invasive Art geworden. Die lustigen Legenden um britische Sittiche halten sich hartnäckig. Unsere Daten stützen jedoch Ornithologen: Die Ausbreitung basiert auf wiederholten Freisetzungen, nicht auf Promi-Aktionen.“
Le Comber nutzte die Methode schon für Malariaausbrüche, Banksy-Wände oder WWII-Bomben.
Mehr über Rock:
- Weltraummusik: 10 der besten Songs über den Weltraum
- Neun Tiere, die nach Rockbands benannt sind
- Neun unerwartete Wirkungen von Musik auf Tiere
Goldsmiths-Forscher durchsuchten britische Zeitungsarchive von 1804 bis 2008 und fanden Tausende Sittich-Meldungen – aber keinen Beleg für die vier Hauptmythen.
Ab 1929 prangten Schlagzeilen über Papageien-bedingte Todesfälle.
Co-Autorin Sarah Elizabeth Cox, Goldsmiths-Studentin: „Panikgeschichten lösen starke Reaktionen aus – wie der MMR-Autismus-Skandal. Schlagzeilen wie ‚Stoppt gefährliche Papageien!‘ führten 1952 sicher zu Massenfreilassungen. Lieber aus dem Fenster als töten.“
Die Londoner Sittiche hängen nicht an Hendrix – aber der Mythos lädt zum Song-Hören ein...