Seit Jahren wissen Wissenschaftler, dass der Katzenparasit Toxoplasma gondii infizierte Nagetiere dazu bringt, ihre natürliche Angst vor Katzen zu verlieren. Dadurch werden sie leichter gefangen und fördern so die Ausbreitung des Parasiten über Katzenkot.
Laut einer neuen Studie eines Teams der Universität Genf geht die Wirkung von T. gondii jedoch weiter: Infizierte Mäuse zeigen eine reduzierte allgemeine Angst und weniger Abneigung gegenüber vielfältigen Bedrohungen.

Forscher beobachteten, dass Mäuse, die fünf Wochen oder länger infiziert waren, neue Umgebungen mutiger erkundeten, mit den Händen der Experimentatoren interagierten und Gerüche von Rotluchsen, Füchsen sowie Meerschweinchen untersuchten – im Gegensatz zu ihren nicht infizierten, scheueren Artgenossen.
Um die Ursachen zu ergründen, nutzte das Team ein fortschrittliches Bildgebungsverfahren, um die Verteilung, Größe und Anzahl der durch T. gondii gebildeten Zysten im Gehirn der Mäuse zu analysieren. Besonders hohe Konzentrationen fanden sich in visuellen Verarbeitungszentren, ergänzt durch umfangreiche Neuroinflammation im gesamten Gehirn.
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"Seit 20 Jahren dient T. gondii als klassisches Lehrbuchbeispiel für parasitäre Manipulation – vor allem wegen ihrer Spezifität", erklärt Co-Senior-Autor Ivan Rodriguez von der Universität Genf.
"Unsere Ergebnisse zeigen: Die Verhaltensänderungen betreffen nicht nur die Angst vor Katzen, sondern weitreichende Hirnveränderungen, die vielfältige Verhaltensweisen und neuronale Funktionen beeinflussen."
Das Team plant nun, die Rolle der Neuroinflammation bei Veränderungen von Angst, Sozialverhalten und Neugier detaillierter zu erforschen.