Als Experten für Evolution und Biodiversität haben Wissenschaftler der University College London und des Imperial College London die Evolution als „vorhersagbaren Prozess“ bezeichnet. Ihre Analyse basiert auf rund 10.000 Vogel-Exemplaren, die mehr als 99 Prozent aller bekannten Vogelarten abdecken.
Basierend auf dem Zusammenhang zwischen anatomischen Merkmalen und Lebensweise schließen die Forscher: Würde die Evolution auf der Erde neu beginnen, würde sie zu „sehr ähnlich aussehenden Organismen“ führen wie denen, die wir heute kennen.
Diese Erkenntnisse ermöglichen Prognosen, wie Vögel auf globale Erwärmung reagieren oder ob der Verlust einer Art das Ökosystem schädigt. Dr. Alex Pigot von der Abteilung für Genetik, Evolution und Umwelt am University College London, Erstautor der Studie, erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Evolution ein vorhersagbarer Prozess ist. Wenn wir das Band des Lebens erneut durchlaufen würden, würde die Evolution wahrscheinlich wieder zu sehr ähnlich aussehenden Organismen führen, wie wir sie heute sehen. In der Lage zu sein, die lebenswichtige Rolle jedes Tieres für das Funktionieren der Biosphäre zu quantifizieren, ist wirklich wichtig, um die Auswirkungen des aktuellen Artensterbens und der Klimakrise zu verstehen.“
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Das internationale Team bereiste weltweite Museen, um Exemplare von fast 10.000 Vögeln zu untersuchen. Sie korrelierten Morphologie – Form und Größe – mit dem Lebensstil jeder Art.

Messungen von Flügeln, Schnäbeln und Schwänzen prognostizieren nicht nur den Lebensstil, sondern offenbaren eine globale evolutionäre Dynamik über ganze Organismenklassen hinweg.
Beispielsweise ähneln Papageientaucher und Guillemots Pinguinen in Körperbau – mit Anpassungen für Schwimmen und Unterwasserfischen –, obwohl sie in verschiedenen Hemisphären evolvierten. Dieses Phänomen der konvergenten Evolution, bei dem unabhängig voneinander ähnliche Merkmale entstehen, wird durch den neuen Datensatz eindrucksvoll bestätigt.
Dr. Joseph Tobias von der Fakultät für Biowissenschaften am Imperial College London betont: „Die Verbindung, die wir zwischen Körperform und -funktion aufzeigen, hat einige potenziell wichtige Anwendungen und ebnet den Weg für die Verwendung ähnlicher Daten zur Untersuchung der Rolle der Biodiversität in Ökosystemen. Zum Beispiel können weitere Studien unsere Datenbank nutzen, um die Auswirkungen von Klima- und Landnutzungsänderungen auf die Funktion von Ökosystemen vorherzusagen und geeignete Ziele für den Artenschutz festzulegen.“
Die Ergebnisse erscheinen in der renommierten Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution.