- Die langen Stoßzähne männlicher Narwale dienen der Beeindruckung von Partnerinnen und Abwehr von Rivalen, wie eine aktuelle Studie zeigt.
- Diese modifizierten Zähne messen 0,5 bis 2,5 Meter, während Schwanzlängen nur geringfügig variieren.
- Forscher sehen hierin Belege für sexuelle Selektion: Narwale mit längeren Stoßzähnen paaren sich erfolgreicher.
Experten vermuten schon länger, dass männliche Narwale ihre einhornähnlichen Stoßzähne in Paarungsritualen und Kämpfen mit Rivalen einsetzen. Nun liefern US-Wissenschaftler klare Belege: Eine Analyse von 245 adulten Männchen ergab, dass besonders große Exemplare unverhältnismäßig lange Stoßzähne aufweisen. Dies verleiht ihnen Vorteile in der Partnersuche oder bei Aggressionen gegenüber Konkurrenten – ein klassischer Fall evolutionärer sexueller Selektion.

Zackary Graham, Doktorand an der School of Life Sciences der Arizona State University, erklärt: „Wir schlagen vor, dass der Narwal-Stoßzahn ein sexuell selektiertes Signal ist, das in Männchen-Wettbewerben eingesetzt wird. Die Botschaft ist klar: ‚Ich bin größer als du.‘“
Narwale entwickeln wie Walrösser oder Elefanten spiralförmig gewachsene Stoßzähne aus modifizierten Zähnen, die bis zu 2,5 Meter lang werden und ihnen ein mythisches Einhorn-Aussehen verleihen.
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Obwohl hauptsächlich Männchen betroffen sind, treten Stoßzähne auch bei Weibchen und selten doppelt bei Männchen auf. Die Forscher untersuchten Form, Größe und Struktur bei 245 adulten Männchen: Stoßzahn-Längen schwankten stark (0,5 bis 2,5 m), Schwanzlängen hingegen nur minimal (0,5 bis 1 m).
Diese Ergebnisse gelten als bisher bester Beweis für die Funktion der Stoßzähne in Abwehr und Anlockung. Merkmale der sexuellen Selektion zeigen oft solches überproportionales Wachstum, da sie empfindlich auf Nährstoffe und Körperzustand reagieren – nur Starke entwickeln die größten.

Graham fasst zusammen: „Unsere Daten unterstützen die Hypothese, dass der Stoßzahn Waffe und Signal in Männchen-Kämpfen ist. Weitere ökologische Studien sind empfehlenswert.“
Die Studie erscheint in der renommierten Fachzeitschrift Biology Letters.