- Eine aktuelle Studie der University of North Carolina zeigt: Plastikmüll, der im Meer getrieben ist, riecht für Unechte Karettschildkröten wie Nahrung.
- Der Biofilm aus Algen und Mikroben auf dem Plastik erzeugt ein Aroma, das die Tiere anlockt.
- Sauberes Plastik hingegen löst keine Reaktion aus.
Die Plastikverschmutzung in den Ozeanen wächst rasant. Mindestens 700 Meerestierarten – darunter Haie, Wale, Seevögel und Schildkröten – verheddern sich darin oder verwechseln es mit Nahrung.
Während visuelle Ähnlichkeiten zu Quallen bekannt sind, war der Geruchsfaktor bislang unterbelichtet. Nun hat das Team der University of North Carolina in Chapel Hill bewiesen: Der natürliche Biofilm auf Meeresplastik verströmt für Schildkröten den Duft von Futter.
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Die Forscher testeten 15 fünf Monate alte, in Gefangenschaft gezüchtete Unechte Karettschildkröten in einem Laboraquarium. Sie setzten die Tiere Gerüchen aus: sauberes Wasser, sauberes Plastik, Schildkrötenfutter und Plastik, das fünf Wochen im Meer eingeweicht war.
Auf sauberes Wasser oder Plastik reagierten die Schildkröten nicht. Bei ozeanischem Plastik und Futter jedoch zeigten sie klares Futtersuchverhalten: Sie streckten die Nase aus dem Wasser und wurden aktiver.
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„Dies ist der erste Nachweis, dass der Geruch von Meeresplastik Tiere zum Fressen animiert“, erklärt Dr. Kenneth J. Lohmann, Mitautor der Studie.
„Unechte Karettschildkröten werden häufig mit blockierten Därmen durch Plastik gefunden. Zunehmend stranden kranke Meeresschildkröten mit Plastik im Magen.“
Hohe Plastikkonzentrationen täuschen Meeresbewohner vor, dass reichlich Nahrung vorhanden ist – ein fataler Irrtum.
„Sobald Plastik im Ozean ist, lässt es sich kaum entfernen oder vom Futtergeruch befreien“, betont Lohmann. „Die beste Lösung: Verhindern, dass Plastik überhaupt ins Meer gelangt.“