- Küstenkrabben tarnen sich bei lautem Schiffslärm weniger effektiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.
- Krabben, die Schiffsgeräusche hörten, änderten ihre Farbe spürbar langsamer als solche unter natürlichen Meeresgeräuschen.
- Der durch Schalllärm ausgelöste Stress verbraucht zu viel Energie, um eine optimale Tarnung zu gewährleisten, meinen die Experten.
Langanhaltender Schiffslärm kann die Fähigkeit von Krabben zur Tarnung nachhaltig beeinträchtigen und sie anfälliger für Raubtiere machen. Das haben Wissenschaftler der University of Exeter in einer Studie festgestellt.
Forscher gehen davon aus, dass der Stress durch künstliche Unterwassergeräusche das Überlebensverhalten der Tiere verändert – etwa bei der Farbanpassung an die Umwelt oder schnellen Reaktionen auf Bedrohungen. Interessanterweise hatten natürliche Meeresgeräusche, selbst in Schiffslärm-Lautstärke, keinen negativen Einfluss auf Tarnung oder Verhalten.

Die Ergebnisse, publiziert in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology, unterstreichen, dass Unterwasserschallverschmutzung eine Bedrohung für vielfältige Meeresarten darstellt – unabhängig davon, ob sie Schall zur Nahrungssuche nutzen.
Tom Tregenza, Professor an der University of Exeter und Mitautor der Studie, erklärt: „Wir wussten bereits, dass Lärm Meeresbewohner stört. Neu ist jedoch: Schiffslärm wirkt sich deutlich störender aus als natürlicher Meeresrauschen – auch bei gleicher Lautstärke.“
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Hauptautorin Emily Carter vom Penryn Campus in Cornwall ergänzt: „Küstenkrabben sind nicht stark schallabhängig. Dass Schiffslärm ihr Verhalten und die Tarnfähigkeit beeinflusst, deutet auf Risiken für viele Arten hin.“
Im Experiment setzten die Forscher 98 juvenile Strandkrabben über acht Wochen leisen Geräuschen, stündlichen Schiffspassagen oder lauten natürlichen Unterwassergeräuschen aus.
Krabben unter Schiffsgeräusch waren beim Farbwechsel doppelt so langsam und änderten die Farbe nur halb so stark. Sie reagierten auch verspätet auf eine Vogelattrappe als Raubtiersimulation – im Gegensatz zu denen ohne Schiffsgeräusch.

Carter betont: „Erwachsene Krabben haben andere Schutzmechanismen, doch Jungtiere verlassen sich stark auf Tarnung gegen Fische und Vögel. Beeinträchtigte Tarnung und Fluchtverhalten könnte fatale Folgen haben.“
„Farbwechsel und Stress verbrauchen enorme Energie. Wahrscheinlich fehlt den Krabben unter Schiffslärm die Kraft für effektive Tarnung.“