DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Mikroplastik bedroht Einsiedlerkrebse: Studie der Queen’s University enthüllt Verhaltensstörungen

Verschmutzung durch Mikroplastik führt zu Störungen und Verhaltensänderungen bei Einsiedlerkrebsen, wie Forscher der Queen’s University Belfast und der Liverpool John Moores University in einer neuen Studie festgestellt haben.

Einsiedlerkrebse nutzen Schneckenschalen zum Schutz und für die Fortpflanzung. Die Untersuchung zeigt: Nach Exposition gegenüber Mikroplastik berühren die Tiere seltener hochwertige Muscheln oder dringen in sie ein.

Leitender Forscher Dr. Gareth Arnott von der Queen’s University erklärt: Mikroskopisch kleine Plastikpartikel im Wasser beeinträchtigen die Krabben erheblich. Sie stören die Fähigkeit, Umweltinformationen zu erfassen und zu verarbeiten – ein zentrales Überlebensverhalten.

Mehr zu Plastikverschmutzung:

  • Fischlarven bevorzugen Mikroplastik gegenüber der natürlichen Ernährung
  • Ertrinken in Plastik: Können wir das Problem der Meeresverschmutzung lösen?
  • Hat Blue Planet II Auswirkungen auf die Plastikverschmutzung?

„Unsere Forschung belegt, dass Mikroplastik das Verhalten von Tieren stark beeinflusst. Hier mindert es die Muschelauswahl bei Einsiedlerkrebsen“, betont Dr. Arnott.

„Dieses Verhalten ist essenziell für Überleben und Fortpflanzung – mit potenziell gravierenden Langzeitfolgen.“

In dem Experiment verteilten die Wissenschaftler Einsiedlerkrebse auf Becken: Die Hälfte enthielt Mikroplastik, die andere nicht. Nach fünf Tagen siedelten sie die Krabben in minderwertige Schalen um, boten aber bessere Alternativen mit mehr Schutz. Die mikroplastikexponierten Tiere bewegten sich seltener und langsamer zu den hochwertigen Schalen.

Dr. Arnott: „Zum ersten Mal zeigen wir, wie Mikroplastik Einsiedlerkrebs-Populationen stört und Verhaltensänderungen auslöst.“

Der Mechanismus ist noch ungeklärt, doch die Studie vermutet: Aufgenommenes Mikroplastik gelangt ins Gehirn und behindert Informationsaufnahme, Ressourcenbewertung, Entscheidungsfindung und Verhalten.

„Einsiedlerkrebse sind Ökosystem-Helden: Sie ‚reinigen‘ das Meer, indem sie Aas und Bakterien fressen“, sagt Dr. Arnott.

Mehr zu Krabben:

  • Warum laufen Krebse seitwärts?
  • Krabben können sich den Weg durch ein komplexes Labyrinth merken
  • Top 10: Was sind die größten Krebstiere?

Einsiedlerkrebse bieten zudem Lebensraum: Ihre beweglichen Schalen beherbergen über 100 Wirbellosenarten – mehr als lebende Schnecken oder tote Substrate.

Sie dienen als Beute für kommerziell wichtige Fische wie Kabeljau, Leng und Steinbeißer.

„Diese Verhaltensauswirkungen unterstreichen: Die Mikroplastik-Krise gefährdet die Biodiversität stärker als gedacht. Wir müssen jetzt handeln!“

Die Studie erscheint in Biology Letters.