Wildvögel wie die Kohlmeise kühlen ihren Schnabel gezielt ab, um bei vorübergehender Nahrungsknappheit Energie zu sparen. Das zeigen Messungen mit Wärmebildtechnologie von Forschern der Universität Glasgow.
Das Team maß die Körpertemperatur der kleinen Singvögel, als diese mit einer temporären Futterknappheit konfrontiert wurden. Die Ergebnisse: Kurz nach dem Wegfall der Nahrung sank die Schnabeltemperatur deutlich und blieb bis zur Rückkehr des Futters niedrig.
Etwa eine Stunde nach Beginn der Einschränkung stieg die Temperatur jedoch langsam wieder an. Dies deutet darauf hin, dass Vögel die Kühlung kontrollieren – zu starkes Abkühlen könnte die Schnabelfunktion beeinträchtigen.
Obwohl Schnabelkühlung bei Langzeitnahrungsknappheit in Gefangenschaft bekannt war, untersucht diese Studie erstmals die unmittelbare Reaktion wilder Vögel darauf.
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Kontinuierliche Aufnahmen einer wilden Kohlmeisenpopulation bestätigten: Die Schnabeltemperatur sank sofort nach Futterentzug.
Hauptautorin Dr. Lucy Winder, die die Studie am Scottish Centre for Ecology and the Natural Environment (SCENE) der Uni Glasgow leitete und nun an der University of Sheffield forscht, erklärt: „Nicht zu wissen, wo die nächste Mahlzeit herkommt, ist für Wildtiere eine große Herausforderung. Sie müssen täglich genug Energie tanken, um zu überleben.“
„Diese Ergebnisse zeigen: Vögel reduzieren den Wärmeverlust am Schnabel, indem sie den Blutfluss drosseln – und das lange vor dem Hungermodus. Bei Unterbrechung der Nahrungsquelle antizipieren sie Engpässe und handeln präventiv.“
„So passen sich Tiere an unvorhersehbare Umweltveränderungen an und erhöhen ihre Überlebenschancen.“
Die Befunde wurden durch Experimente mit Kohlmeisen in Freiluftvolieren der Universität Lund in Schweden bestätigt.
Bemerkenswert: Die Temperatur der Augenregion blieb während der Knappheit stabil – Vögel kühlen also selektiv nur den Schnabel, nicht die gesamte Oberfläche.
Dr. Dominic McCafferty, Lektor am Institute for Biodiversity, Animal Health & Comparative Medicine der Uni Glasgow, betont: „Vögel kühlen den Schnabel bei plötzlichem Futterausfall, um Reserven für erwartete Engpässe zu schonen. Besonders relevant für kleine Arten im harten Winter.“
Die Studie erschien im Journal of Experimental Biology.
Finanziert durch Birgit und Hellmuth Hertz Foundation, Erasmus Training Mobility Grant, Swedish Research Council, Helge Axson Johnson Foundation und Royal Physiographic Society of Lund.