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Realistische Avatare überwinden den Uncanny-Valley-Effekt bei Rhesusaffen – Studie der Uni Tübingen

In der Robotik beschreibt der Uncanny-Valley-Effekt das Unbehagen, das entsteht, wenn humanoide Roboter oder computergenerierte Figuren fast menschlich wirken, aber nicht ganz. Dieser Effekt tritt auch bei Affen auf und erschwert Studien zu ihrem Sozialverhalten mit animierten Gesichtern.

Forscher der Universität Tübingen haben das nun gelöst: Mit Technologie aus der Filmspezialeffektbranche – dem Grafikpaket Autodesk Maya – und basierend auf fotografischen Referenzen sowie MRT-Scans schufen sie hochrealistische Avatare.

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Das Team testete Reaktionen von Rhesusaffen auf fünf Affengesichter: Videos echter Affen, einen natürlichen Avatar mit Fell- und Gesichtsdetails, einen pelzlosen Avatar, einen Graustufen-Avatar und ein Drahtgittergesicht.

Die Affen musterten das Drahtgittergesicht, meiden aber pelzlose und Graustufen-Avatare – klassischer Uncanny-Valley-Effekt. Der fellbedeckte, natürliche Avatar löste hingegen soziale Mimik aus, ähnlich wie bei realen Artgenossen.

Realistische Avatare überwinden den Uncanny-Valley-Effekt bei Rhesusaffen – Studie der Uni Tübingen

Diese Avatare machen Studien zur sozialen Kognition bei Affen standardisierbar und reproduzierbar. Die Technik könnte zudem die menschliche Kommunikation beleuchten, betonen die Experten.

"Mit dem naturalistischen Avatar wollen wir systematisch und kontrolliert untersuchen, wie Affen Blicke und Mimik ihrer Artgenossen wahrnehmen und darauf reagieren", erklärt Studienleiterin Ramona Siebert.

"Das Verständnis, wie das System auf neuronaler Ebene funktioniert, könnte Einblicke in Kommunikationsdefizite bei der Autismus-Spektrum-Störung geben, die durch Probleme beim Lesen von Gesichtsinformationen gekennzeichnet ist."