Als Evolutionsbiologen und Verhaltensforscher untersuchen wir die faszinierenden Kommunikationsstrategien von Tieren, um Einblicke in die Ursprünge der menschlichen Sprache zu gewinnen.
Geräusche von Tieren verraten oft ihre Körpergröße. Manche Arten täuschen jedoch eine größere Statur vor – eine Taktik, die Biologen als "unehrliche Signalisierung" bezeichnen. Dabei erzeugen Sender übertriebene Signale, um Partner anzulocken.
Männliche Rothirsche etwa erzeugen niederfrequente Rufe, die sie potenziellen Partnern größer erscheinen lassen. Ähnlich enthalten die Paarungslieder männlicher Koalas ein tiefes Gebrüll, das typischerweise größeren Säugetieren zugeschrieben wird.
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Unsere vorläufigen Ergebnisse, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Biology Letters, beleuchten, wie solche Strategien den Weg zur menschlichen Sprachentwicklung ebnen konnten.
Maxime Garcia vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltstudien der Universität Zürich erklärt: „Wir glauben, dass 'unehrliche Signalisierung' ein erster evolutionärer Schritt war, um neue Geräusche jeglicher Art zu erzeugen.“
„Spekulationsweise bringt uns das dem Verständnis der menschlichen Sprachentwicklung näher: Unsere Vorfahren haben möglicherweise gelernt zu sprechen, nachdem sie gelernt hatten, größer zu klingen oder hohe Töne zu treffen.“

Wir analysierten Geräusche und Körpergrößen von 164 Säugetierarten – von Mäusen und Affen bis zu Wassersäugern wie der subantarktischen Pelzrobbe und der Amazonas-Seekuh. Tiere, die ihre Größe vortäuschen, sind oft talentierte Geräuschlerner mit flexiblen Stimmbändern.
In unserer Studie schreiben wir: „Einige Arten könnten durch sexuelle Selektion die willentliche Stimmmodulation für 'unehrliche' Signale entwickelt haben – als Vorläufer des Stimmlernens.“
Unsere Arbeit eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der Evolution von Kommunikationssystemen.
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Andrea Ravignani vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik und dem niederländischen Robbenzentrum Pieterburen betont: „Wir erweitern unsere Theorie um weitere evolutionäre Einflüsse jenseits der sexuellen Selektion.“
„Zudem replizieren wir die Ergebnisse mit mehr Säugetieren und prüfen, ob sie auf Vögel oder andere Gruppen zutreffen.“
Sie fügt hinzu: „Ein Chihuahua, der wie ein Rottweiler bellt, würde Sie überraschen. Die Natur strotzt von solchen 'Quietsch-Rottweilern' und 'Tenor-Chihuahuas'.“