DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Gepatschferner-Gletscher, Österreichische Alpen

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Das Eis in Österreichs Berggletschern birgt ein unschätzbares Archiv lokaler Klimadaten.

"In 12 Metern Eis sind Informationen aus 6.000 Jahren gespeichert", erklärt Dr. Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck. "Durch den Klimawandel verlieren wir jährlich einen Meter Eis."

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Um dieses wertvolle Erbe zu sichern, haben Dr. Fischer und ihr Team Eisbohrkerne vom Gepatschferner-Gletscher entnommen und zur weiteren Analyse und Lagerung transportiert.

"Eine echte Herausforderung", betont Fischer. "Wir arbeiten in Höhenlagen unter widrigen Wetterbedingungen – jedes Teammitglied ist erfahrener Bergsteiger."

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Mit den Proben wollen die Forscher Daten zu vergangenem Pflanzenleben, Niederschlägen, menschlichen Aktivitäten und Gletscherschwankungen gewinnen.

"Verstehen wir, wie Landschaften vergangene Erwärmungsphasen überstanden haben, können wir besser auf die Zukunft vorbereitet sein", sagt Fischer.

Gletscher Olivares Alfa, nahe Santiago, Chile

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Chiles Gletscher sind lebenswichtig: Millionen Menschen in und um Santiago verlassen sich in Dürreperioden auf ihr Schmelzwasser.

Doch Dürren häufen sich, Gletscher schrumpfen. Glaziologe Dr. Gino Casassa (links) und Wasserkraftingenieur Diego Gonzalez betreiben hier eine meteorologische Station auf dem Olivares-Alfa-Gletscher – 4.200 m über dem Meeresspiegel in den Anden.

  • Abonnieren Sie den Science Focus Podcast auf: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast

Mitten im Winter: Der Gipfel sollte schneebedeckt sein, doch der Gletscher hat sich zurückgezogen – das Duo steht auf blankem Fels. Als Direktor der Glaziologie- und Schneeabteilung der chilenischen Regierung inventarisiert Casassa die Gletscher und schützt sie vor Umweltschäden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit: Klimawandel, Dürre und Bergbau bedrohen sie. Casassa warnt: Manche Gletscher könnten in unter 20 Jahren verschwinden.

Sequoia-Nationalpark, Kalifornien, USA

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Während der Kalifornien-Dürre 2011–2017 – einer der schlimmsten in der Staatsgeschichte – verloren einige Riesenmammutbäume Blätter aus ihren Kronen.

Dr. Wendy Baxter von der University of California, Santa Cruz (im Bild) und Kollegen kletterten mit Seilen und Gurten auf 50 dieser bis zu 89 m hohen Bäume, um Kronenproben zu entnehmen.

"Extrem anstrengend", beschreibt Baxter. Über Jahre hinweg zweimal täglich Proben – bei 50 Bäumen. "Wir entdeckten: Der Laubverlust war eine clevere Anpassung, um Wasserverbrauch zu senken."

Vorerst sind die Bäume stabil, doch Baxter mahnt: "Sie brauchen immense Wassermengen. Ohne Klimaschutz könnten sie langfristig nicht überleben."

Moorea, Südlicher Pazifik

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Ein Taucher prüft das Korallenriff vor Moorea, Französisch-Polynesien. 2019 erlitt es ein massives Bleichereignis durch erwärmtes Wasser – Korallen stießen symbiotische Algen aus.

Manche Korallen überstanden es. Meeresbiologin Dr. Laetitia Hédouin vom Centre for Island Research and Environmental Observatory (CRIOBE) erforscht warum.

Mehr zum Klimawandel:

  • Friedliche Proteste: Sind gewaltfreie Demos effektiv für Veränderungen?
  • Die schmutzige Wahrheit über grünes Essen
  • So senken Sie Ihren CO₂-Fußabdruck – fast kostenlos

Genetik spielt eine Rolle: Das Team analysiert DNA robuster Korallen. Taucher züchten Fragmente in Unterwasser-Nurseries (oben), um Riffe wiederzubevölkern und widerstandsfähige Kolonien zu fördern – für eine wärmere Welt.

Colorado-Plateau, USA

Mutige Wissenschaftler im Kampf gegen den Klimawandel: Expeditionen in extreme Regionen

Wüsten gelten als leblos, doch sie bergen reiche Ökosysteme. Biologische Bodenkrusten (Biokrusten) aus Flechten, Moosen und Cyanobakterien leben auf der Oberfläche und regulieren CO₂ durch Photosynthese – ihre Klimarolle ist jedoch wenig erforscht.

Bei über 40 °C überwacht Dr. Sasha Reed vom United States Geological Survey ein Experiment: Stündlich misst ein automatischer Deckel CO₂ in 60 Parzellen nahe Moab, Utah. Einige werden mit Infrarotlampen beheizt, um Klimaszenarien zu simulieren.

"Stundenweise Daten über Jahre – atemberaubend", sagt Reed. Nach 15 Jahren: Biokrusten leiden unter Erwärmung, was ganze Wüstenökosysteme bedroht.

  • Dieser Artikel stammt aus BBC Science Focus, Ausgabe 353 – hier abonnieren