Experten der Evolutionsbiologie haben herausgefunden, dass sich der Kehlkopf bei Primaten wie Gorillas und Schimpansen deutlich schneller entwickelt hat als bei anderen Säugetieren.
In einer Studie, die in PLOS Biology erschienen ist, analysierten Forscher von renommierten Universitäten wie der Anglia Ruskin University, Stanford University und der Universität Wien den Kehlkopf von Primaten im Vergleich zu Fleischfressern wie Tigern oder Füchsen. Ergebnis: Relativ zur Körpergröße ist er bei Primaten „signifikant größer“.
Zudem zeigen Kehlköpfe bei Primaten eine hohe funktionale Vielfalt und Größenvariabilität.
Die Studie beleuchtet zwar nicht direkt die Sprachentwicklung beim Menschen – wir gehören schließlich auch zu den Primaten –, doch sie unterstreicht eine „evolutionäre Flexibilität“, die wertvolle Einblicke in die vokale Kommunikation ermöglicht.
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Dr. Jacob Dunn, Dozent für Evolutionsbiologie an der Anglia Ruskin University (ARU) und Hauptautor der Studie, erklärt: „Als Primaten erleben wir eine faszinierende Kehlkopf-Evolution. Gibbons singen sopranartig, Brüllaffen erzeugen tiefe Frequenzen, Tarsiere ultraschallähnliche Laute – und Menschen sprechen.“
„Diese Vielfalt im Kehlkopfgebrauch bei Primaten ist beeindruckend – einschließlich unserer eigenen Sprechfähigkeit. Unsere Forschung bietet Chancen, die vokale Kommunikation bei Primaten besser zu verstehen.“

Der Kehlkopf im Halsbereich ist essenziell für Schlucken, Atmen und Stimmproduktion – ein zentrales Organ in der Evolution, wie Biologen betonen.
Das Team untersuchte CT-Scans von 55 Arten und erstellte präzise 3D-Modelle für detaillierte Analysen.
Primatenkehltöpfe sind im Schnitt 38 Prozent größer als bei vergleichbar großen Fleischfressern, angepasst an die Körperlänge.
Bei Primaten variiert die Größe stärker relativ zur Körpergröße, während Carnivoren ein festes Verhältnis aufweisen.

Dr. Dunn fasst zusammen: „Die Studie belegt klare Unterschiede: Primatenkehltöpfe sind größer, weniger starr an die Körpergröße gebunden und evolieren schneller als bei Fleischfressern.“
Nächste Schritte zielen auf den menschlichen Kehlkopf ab. „Wir erforschen intensiv die Sprachentwicklung, inklusive des Zungenbeins – ein Schlüssel zur Evolution unserer Stimme“, so Dr. Dunn.