Ein Team renommierter Wissenschaftler der Rockefeller University in New York hat die spezifischen Verbindungen im menschlichen Blut identifiziert, die Mücken stark anziehen. Diese bahnbrechende Erkenntnis könnte den Grundstein für ein Medikament legen, das unseren Reiz für diese Insekten neutralisiert.
Mücken reagieren nicht auf einfache Aromen wie Süßes oder Salziges, sondern ausschließlich auf eine komplexe Mischung von Stoffen.
Das Forscherteam nutzte gentechnisch modifizierte weibliche Mücken, um zu beobachten, welche Neuronen beim Kontakt mit Blut aktiviert werden.
Nur weibliche Mücken saugen Blut, um ihre Eier zu entwickeln – sie ernähren sich sonst hauptsächlich von Nektar wie Tausende anderer Insektenarten.
Ihre blutsaugenden Gewohnheiten machen Mücken zum tödlichsten Tier für den Menschen: Jährlich sterben rund eine halbe Million Menschen an übertragenen Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und Gelbfieber.
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Die Experten schalteten die Mücken vom Nektar- in den Blutmodus, indem sie eine künstliche Mischung aus vier Verbindungen anboten, die den Blutgeschmack simuliert: Glucose, Natriumchlorid, Natriumbicarbonat und Adenosintriphosphat (ATP), das Zellen Energie spendet.
Diese synthetische "Blutlösung" begeisterte die Mücken, während eine einfache Zucker-Kochsalz-Mischung sie kalt ließ.
In den gentechnisch veränderten Tieren leuchtete ein fluoreszierendes Markierungsprotein bei aktivierten Nervenzellen auf, sodass die Forscher genau verfolgen konnten, welche Zellen auf verschiedene Substanzen reagierten.
Glucose, die in Nektar und Blut vorkommt, aktivierte keine spezifischen Neuronen dauerhaft. Natriumchlorid, Natriumbicarbonat und ATP reizten jeweils eigene Neuronencluster.
Ein besonderes Neuronencluster feuerte jedoch nur bei echtem Blut oder der synthetischen Mischung – nicht bei isolierten Inhaltsstoffen.

"Diese Neuronen brechen die Regeln der traditionellen Geschmackscodierung, die von Fliegen bis zum Menschen als universell gilt", erklärt Veronica Jové, eine der führenden Autorinnen der Studie.
Dr. Leslie Vosshall, Leiterin des Labors am Howard Hughes Medical Institute der Rockefeller University, sieht Potenzial für orale Mückenschutzmittel, die den Blutgeschmack stören. Allerdings betont sie: "Es könnte unmöglich sein, genau zu verstehen, wie wir für Mücken schmecken."
Sie vergleicht es mit der Wahrnehmung einer Biene in Ultraviolett oder einer Fledermaus via Sonar – Erfahrungen jenseits menschlicher Sinne. "So etwas gibt es in der menschlichen Erfahrung nicht", schließt sie.