Wissenschaftler vermuten, dass die Verfütterung von Fleischresten an Wölfe während strenger Winter vor mehr als 14.000 Jahren einen entscheidenden Beitrag zur Domestizierung des Hundes leistete.
Diese Hypothese basiert auf einer Studie, die in der renommierten Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde. Sie analysiert, wie viel mageres Fleisch eurasische Jäger und Sammler in der Eiszeit konsumieren konnten.
Hunde stammen vom Wolf ab und gelten als die ersten von Menschen domestizierten Tiere. Während der letzten Eiszeit – vor etwa 14.000 bis 29.000 Jahren – konkurrierten Menschen und Wölfe direkt um dieselbe Beute.
Die Forscher argumentieren: Hätten Menschen und Wölfe in harten Wintern dieselben Tiere gejagt, hätten Jäger die Konkurrenz wahrscheinlich eliminiert, statt die Wölfe zu zähmen. Die Frage bleibt: Wie gelang die Domestizierung einer Rivalenart?
Ein Expertenteam unter Leitung von Dr. Maria Lahtinen von der finnischen Lebensmittelbehörde untersuchte den Energiegehalt potenzieller Beutetiere wie Pferde, Elche, Hirsche und Wiesel – Nahrung, die sowohl für Menschen als auch Wölfe geeignet war.
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Der Energiegehalt wurde anhand der Kalorien aus Protein- und Fettanteilen berechnet. Die Ergebnisse zeigen: Alle Beutearten lieferten mehr Protein, als Menschen verdauen konnten.
Menschen sind nicht vollständig auf fleischbasierte Ernährung angepasst und decken nur etwa 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus Protein. Wölfe hingegen überleben monatelang mit magerem Fleisch.
Die Autoren schlussfolgern: Menschen verfütterten überschüssiges mageres Fleisch an Wölfe, was "sogar in harten Wintermonaten eine friedliche Koexistenz ermöglichte". Bald nutzten sie die Wölfe als Jagdhelfer und Wächter – ein Meilenstein der Domestizierung.
Die Studie betont: "Die Unterschiede in den Ernährungsbeschränkungen von Wölfen und Menschen ermöglichten die Domestizierung in rauen pleistozänen Umgebungen."
"Überschüssiges Protein reduzierte die Konkurrenz und förderte eine sympatrische Existenz. Dies könnte der entscheidende Impuls gewesen sein, dass Wölfe zu unserem 'besten Freund' wurden."