Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Hunde Ihr Gesicht ablecken? Als Hundebesitzer kennen Sie das: plötzliche nasse Küsse mit Speichel. Doch was steckt wirklich dahinter?
Obwohl wir nicht direkt in Hundegedanken eintauchen können, erklären Verhaltensexperten wie Dr. Emily Blackwell, Dozentin für Tierverhalten und Wohlergehen an der University of Bristol, dieses Verhalten fundiert.
Die Hauptgründe: Hunde lecken zur Begrüßung und um Aufmerksamkeit zu erregen. „Es ist ein soziales Verhalten aus ihrer Evolution“, sagt Dr. Blackwell. „Eine freundliche Begrüßung – fast wie ein Kompliment.“
Der Ursprung ist instinktiv: Welpen lecken ihre Mutter, um sie zum Erbrechen von Futter anzuregen. Bei adulten Hunden gegenüber Menschen ist es jedoch primär sozial.
Keine Sorge: Das heißt nicht, dass Hunde uns füttern wollen. Es bleibt eine harmlose Geste – besonders bei Ihrem eigenen Hund.

Interessant: Erwachsene Hunde lecken selten das Gesicht anderer Hunde. Bei uns Menschen tun sie es wie Welpen. Grund: Unsere Hunde sehen uns als lebenslange Bezugspersonen, was eine verlängerte Welpenphase fördert.
„Bei domestizierten Hunden bleibt Welpenverhalten erhalten, z. B. mehr Bellen als bei Wildhunden“, erklärt Dr. Blackwell. Dieses Phänomen heißt Neotenie und tritt auch bei Katzen auf (siehe: Warum kneten Katzen?).
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Ob Neotenie gut oder schlecht ist, ist umstritten. Wichtig: Unser Verhalten beeinflusst Hunde stark. Bis zu 80 % der Hunde reagieren negativ auf Alleinsein – sie jaulen vor Trennungsangst.
„Hunde sind flexibel: Trainieren Sie sie früh, allein zu bleiben – schrittweise in entspannter Umgebung“, rät Dr. Blackwell.
So stoppen Sie das Gesichtsablecken sanft
Solange keine Wunden offen sind, ist Lecken harmlos. Manche mögen es aber nicht.
Bestrafen Sie nie! „Das Lecken ist ihre Begrüßung – Strafe verletzt sie wie eine abgewiesene Handschlag“, warnt Dr. Blackwell.
Stattdessen: Positive Verstärkung. Halten Sie die Hand vors Gesicht, lassen Sie ablecken und belohnen Sie. Bald wird das zur neuen Gewohnheit – ohne nasse Spuren.
Wiederholen Sie konsequent: Ihr Hund lernt schnell eine sabberfreie Begrüßung.