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Sind Pflanzen bewusst? Neue Studie mit Buschbohnen gibt erste Hinweise

Die Vorstellung, dass Pflanzen bewusste Entscheidungen treffen können, ist hochumstritten. Eine aktuelle Studie mit kletternden Buschbohnen aus renommierten Forschungseinrichtungen deutet jedoch darauf hin, dass diese Idee langsam an Akzeptanz gewinnt.

Das Experiment im Detail

Forscher des Minimal Intelligence Lab an der Universität Murcia in Spanien und des Rotman Institute of Philosophy in London, Kanada, platzierten 20 eingetopfte Buschbohnenpflanzen in der Mitte zylindrischer Kabinen. Die Pflanzen wuchsen entweder allein oder neben einem Gartenrohr, das 30 Zentimeter entfernt in den Boden gesteckt wurde.

Mithilfe von Zeitrafferaufnahmen verfolgten die Wissenschaftler die Bewegungen der Triebe, bis diese die Stöcke berührten. Die Ergebnisse zeigten: In Anwesenheit der Stöcke wuchsen die Triebe auf vorhersehbareren Pfaden – fast so, als spürten die Pflanzen die Objekte in ihrer Nähe und passten ihr Wachstum gezielt an.

Beweis für bewusste Absicht?

Pflanzen reagieren oft auf Reize, etwa indem sie Blätter bei Berührung einrollen oder Beute in Fallenblättern verdauen. Diese Mechanismen sind gut erforscht. Doch die philosophische Frage, ob Pflanzen "intelligent entscheiden", ist neu und kontrovers.

Dr. Vicente Raja vom Rotman Institute of Philosophy, Mitautor der Studie, betont: Das Experiment beweise nicht endgültig bewusstes Handeln, zeige aber, dass die Bohnen mehr als bloße Reize wahrnahmen. "Es ist eine Sache, auf Licht zu reagieren – eine andere, Objekte wahrzunehmen", erklärt er. "Beeinflusst die Nähe von Objekten das Pflanzenwachstum, sprechen wir von komplexem Verhalten mit kognitiven Signaturen, ähnlich wie bei Mensch und Tier."

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Woher kommt Pflanzenbewusstsein?

Seit 2006 ist die Pflanzenneurobiologie ein etabliertes Feld. Befürworter vergleichen pflanzliche elektrische Signale mit tierischen Nervensystemen und argumentieren für zielgerichtetes Handeln.

Pflanzen nutzen elektrische Signale zweifach: Zur Ionenverteilung über Membranen – etwa beim Einrollen von Blättern durch Wassertransport – und zur Fernübertragung, wie bei Abwehrreaktionen nach Insektenstichen.

Dr. Paco Calvo, Direktor des Minimal Intelligence Lab und Mitautor, fordert Offenheit: "Erst kürzlich haben wir Tiere mit Empfindung verknüpft. Lassen wir Vorurteile fallen, um das Feld voranzutreiben. Ich lasse mich widerlegen – aber wir müssen Möglichkeiten prüfen."

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Stimme der Kritiker

Kritiker sehen hier nur genetisch kodierte Reaktionen, fein abgestimmt durch Evolution. Prof. Lincoln Taiz von der University of California, Santa Cruz, wies 2019 in "Pflanzen besitzen weder Bewusstsein noch erfordern sie Bewusstsein" die Idee zurück: Pflanzen fehle die neuronale Komplexität für Kognition.

"Die Vermenschlichung von Pflanzen gefährdet die Forschungsobjektivität", warnt Taiz. "Pflanzen und Tiere haben unterschiedliche Strategien entwickelt. Ein Gehirn wäre für Pflanzen teuer und nutzlos."