Laut Paläontologen entwickelte ein kleiner, schafgroßer Dinosaurier, der vor mehr als 70 Millionen Jahren lebte, durch sexuelle Selektion eine riesige Halskrause.
Der Protoceratops, ein 1,8 m langer, pflanzenfressender Dinosaurier, der die mongolische Wüste Gobi durchstreifte, besaß kunstvolle knöcherne Rüschen, die sich über den Hals erstreckten.
Lange hielt man diese Rüschen für Schutz vor Raubtieren oder zur Temperaturregulierung. Doch Experten des Natural History Museum sehen nun einen anderen Zweck: die Anlockung von Partnern.
Sexuelle Selektion beschreibt, wie bestimmte Merkmale vom anderen Geschlecht bevorzugt werden und sich so in der Population durchsetzen – ähnlich wie das prächtige Gefieder des Pfauenhahns.

„Bei vielen fossilen Tieren finden wir ungewöhnliche Strukturen, die bei heutigen Arten selten sind“, erklärt Dr. Andrew Knapp, Postdoktorand am Natural History Museum. „Protoceratops hatte keine Hörner, aber eine riesige Rüsche.“
Frühere Theorien sahen die Rüschen als Schutz, Kühlmechanismus oder Artenerkennungsmerkmal. Knapp und Team widerlegen dies.
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Das Team analysierte 3D-Scans von 30 vollständigen Protoceratops-Schädeln – von winzigen Jungtieren bis zu ausgewachsenen Adulten. Die Ceratopsier, schnabelmäulige Pflanzenfresser, zeigten ein klares Wachstumsmuster.
Die Rüschen wuchsen überproportional schnell, ähnlich wie Hirschgeweihe – ein klares Indiz für sexuelle Selektion.

Obwohl keine starken Geschlechtsdimorphismen sichtbar sind, deuten Fossilien auf sexuelle Selektion hin. „Männchen und Weibchen unterschieden sich sicher, vielleicht in Größe oder Färbung, die nicht fossilisiert“, sagt Dr. Knapp.
„Größere Körpergröße oder verlorene Farbpigmente könnten den Dimorphismus erklären.“