Obwohl Oktopusse nicht in Pyjamas schlafen oder sich unter Decken kuscheln, offenbaren aktuelle Forschungen beeindruckende Parallelen zum menschlichen Schlafverhalten.
Eine Studie der brasilianischen Universität Rio Grande do Norte belegt, dass diese achtarmigen Meerestiere – ähnlich wie wir Menschen – zwei abwechselnde Schlafzustände durchlaufen: eine "aktive Schlafphase" und eine "ruhige Schlafphase".
In Laborbeobachtungen lagen die Oktopusse während des "ruhigen Schlafs" regungslos da, mit zusammengezogenen Pupillen.
In der "aktiven Schlafphase" hingegen veränderten sie Hautfarbe und -textur, bewegten die Augen und zeigten Muskelzuckungen – vergleichbar mit unserem REM-Schlaf (Rapid Eye Movement).
Diese Beobachtungen legen nahe, dass Oktopusse möglicherweise träumen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Oktopus während des ‚aktiven Schlafs‘ einen Zustand ähnlich dem REM-Schlaf erleben könnte, in dem Menschen am intensivsten träumen", erklärt die leitende Forscherin und Doktorandin Sylvia Medeiros.
Allerdings wären Oktopus-Träume wahrscheinlich nicht so komplex-symbolisch wie unsere. Die "aktive Phase" dauert nur Sekunden bis maximal eine Minute. "Falls geträumt wird, handelt es sich eher um kurze Videoclips oder GIFs", ergänzt Medeiros.
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Unabhängig davon, ob Oktopusse wirklich träumen: Die Studie wirft spannende Fragen zur Evolution des Schlafs auf. Menschen und Kopffüßer entwickelten sich vor rund 500 Millionen Jahren getrennt – warum zeigen sie dennoch vergleichbare Schlafstadien?
"Falls sich zwei unterschiedliche Schlafzustände bei Wirbeltieren und Wirbellosen unabhängig voneinander entwickelt haben, welche evolutionären Drucke formen diesen physiologischen Prozess?", fragt Medeiros. "Die Parallele zum REM-Schlaf bei Kopffüßern könnte eine Eigenschaft zentralisierter Nervensysteme widerspiegeln, die eine gewisse Komplexität erreichen."