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Pottwale lehren sich gegenseitig, Walfängern geschickt auszuweichen – Studie belegt soziales Lernen

Pottwale haben sich vor rund 200 Jahren offenbar gegenseitig beigebracht, wie sie den Harpunen der Walfänger entkommen können. Eine aktuelle Studie liefert klare Belege für soziales Lernen bei diesen Tieren und gibt tiefe Einblicke in ihre faszinierende Walkultur.

Die Untersuchung basiert auf Logbüchern von Walfängern aus dem Nordpazifik im 19. Jahrhundert. Diese protokollierten detailliert Jagderfolge wie gesichtete oder geharpunierte Wale. Die Analysen zeigen: Die Erfolgsquote der Schiffe sank nach der ersten Ankunft der Walfänger in einer Region innerhalb von weniger als zweieinhalb Jahren um 58 Prozent.

Die Studie, veröffentlicht von der Royal Society, vereint die Expertise der Walforscher Hal Whitehead und Luke Rendell mit der des Datenwissenschaftlers Tim D. Smith. Sie schließen andere Erklärungen aus, etwa dass Walfänger zunächst seltene Wale jagten und dadurch deren Bestände dezimierten.

Stattdessen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Pottwale die Gefahr schnell erkannten und Fluchtstrategien entwickelten – etwa Schwimmen gegen den Wind der segelgetriebenen Schiffe. Diese Erkenntnisse wurden innerhalb ihrer Pods weitergegeben, was auf rasches soziales Lernen, kulturelle Evolution und Echtzeit-Kommunikation hindeutet.

Pottwale besitzen das größte Gehirn aller Erdtiere, leben in hochkomplexen sozialen Strukturen und kommunizieren mittels sonarähnlicher Klicklaute, die sich unter Wasser ausgezeichnet fortpflanzen.

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Diese Forschung unterstreicht eindrucksvoll, dass Wale und Delfine eine echte Kultur und soziales Lernen besitzen, betont Nicola Hodgins, Forscherin bei Whale & Dolphin Conservation.

„Bei diesen Tieren gibt es unzweifelhaft Elemente des Beobachtens und Lernens: Sie beobachten Eltern und Artgenossen, ahmen Verhaltensweisen nach und nutzen akustische Kommunikation.”

Der kommerzielle Walfang ist seit den 1980er Jahren verboten, doch jährlich sterben Zehntausende Wale durch menschliche Aktivitäten. „Heute müssen Wale lernen, Booten, Schiffskollisionen und Netzen auszuweichen”, erklärt Hodgins. „Die Schiffspräsenz – von Militär über Kreuzfahrer bis Jetskis – ist enorm gestiegen.”

„Wir wissen, dass Wale und Delfine hochintelligent sind und komplexe soziale Leben führen. Diese beeindruckende Studie bestätigt das und sollte uns motivieren, ihren Schutz zu verbessern.”