DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Hat die COVID-19-Pandemie eine Rattenplage in Städten ausgelöst? Expertenanalysen aus UK und USA

Ratten sind wieder unterwegs. Während Lockdowns die menschliche Mobilität einschränkten, profitierten Nagetiere von veränderten Bedingungen. Zahlreiche Berichte deuten darauf hin, dass die COVID-19-Pandemie die Rattenpopulationen in Städten erschüttert hat.

Laut einer Umfrage der British Pest Control Association (BPCA) meldeten im März 2020 rund 50 Prozent der Schädlingsbekämpfer in Großbritannien erhöhte Rattenaktivität. Bis Oktober 2020 stieg dieser Wert auf fast 80 Prozent der BPCA-Mitglieder.

Warum ist das so? „Ratten nutzen genau das, was wir hinterlassen“, erklärt Natalie Bungay, Technische und Compliance-Beauftragte der BPCA. Gestapelte Müllsäcke auf Bürgersteigen oder Essensreste aus Imbissbuden sind für sie ein Festmahl. „Sie benötigen täglich etwa 200 g Futter. Mit weniger Menschen auf den Straßen, geschlossenen Restaurants und reduzierten Abfällen mussten Ratten weiter suchen.“

Dies trieb sie aus ihren Verstecken – sichtbarer und tagsüber, wo sie sonst selten anzutreffen sind.

Mehr über Nagetiere:

  • Vom Träumen zum lebensrettenden Schnüffeln: 13 wissenschaftlich fundierte Rattenfakten
  • Afrikanische Schopfratte: Das kaninchengroße Nagetier mit giftigem Fell
  • Ratten vermeiden Handlungen, die anderen wehtun – selbst wenn sie dafür ein Leckerli bekommen

Braune und schwarze Ratten dominieren in Städten weltweit. Braune Ratten sind in gemäßigten Zonen wie Großbritannien häufiger, da sie Kälte besser ertragen. Ihr Territorium umfasst typisch 30 Meter Durchmesser, wobei sie meist nur 10 Prozent davon nutzen.

„Ohne Menschen fehlte Ratten die Nahrung, sie mussten ihr Revier erweitern“, sagt Bungay. Kaltes Wetter trieb sie zusätzlich in Gebäude. „Winteranfragen zu Nagetierbefall steigen immer, und leere Büros bieten ideale Erkundungsräume.“

Biologisch plausibel, doch ohne systematische Überwachung fehlen harte Daten zur Populationsentwicklung. „Es basiert auf Beobachtungen“, räumt Bungay ein.

Hat die COVID-19-Pandemie eine Rattenplage in Städten ausgelöst? Expertenanalysen aus UK und USA

„Wilde Rattenforschung ist nicht glamourös“, meint Dr. Michael Parsons, Stadtökologe an der Fordham University in New York. „Finanzierung ist knapp, genaue Populationszahlen rar.“

In Manhattan sanken Rattensichtungen im NYC 311-System nach dem Lockdown März 2020 um 30 Prozent. „Viele Experten sehen einen anfänglichen Rückgang durch fehlende Restaurantabfälle“, erklärt Parsons. Dies könnte zu einer Selektion mutiger Ratten geführt haben. Nach der Wiedereröffnung erholten sie sich – möglicherweise stärker.

Mehr von Reality Check:

  • COVID-19: Können wir die Verbreitung weiterer Coronavirus-Varianten stoppen?
  • Könnte ein neues Appetitzügler-Medikament die Antwort auf Fettleibigkeit sein?

Für uns mag es harmlos wirken, doch Ratten verursachen in den USA jährlich Schäden von 19 Milliarden US-Dollar – plus Gesundheitsrisiken. Eine Studie aus den 1990er Jahren fand bei 600 wilden braunen Ratten in Südengland Parasiten und Erreger wie Viren, Bakterien und Würmer.

Keine Hinweise auf SARS-CoV-2-Übertragung durch Ratten, doch das Virus überlebt in Abwässern. Die Pandemie lehrt Vorsicht vor Wildtieren. „Mehr Überwachung von Verhalten und Krankheiten ist essenziell“, fordert Parsons.