Vergessen Sie den Weißen Hai aus Jaws oder das Megalodon aus The Meg: Der Koboldhai ist ein faszinierender Tiefseebewohner, der selbst erfahrene Meeresbiologen beeindruckt. Als Meeresexperten mit jahrelanger Forschung zu Haiarten teilen wir fundierte Einblicke in dieses einzigartige Raubtier.
Warum heißt er Koboldhai?
Der Koboldhai (wissenschaftlich Mitsukurina owstoni) wurde 1898 vor Japans Ostküste entdeckt. Seine lange Schnauze und die rosa-farbene, durchscheinende Haut erinnerten an das mythische japanische Wesen Tengu – daher der Name Tenguzame, westlich übersetzt als "Koboldhai". Die rosige Färbung entsteht durch sichtbare Blutgefäße unter der Haut (siehe Video unten).
Wo lebt der Koboldhai?

Dieser Hai bewohnt den offenen Ozean in Tiefen von 100 bis 1.300 Metern im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean. Sichtungen gibt es vor Japan, Neuseeland, Frankreich, Madeira, Südafrika, Brasilien und mehr. Gelegentlich dringt er in flachere Gewässer vor, typisch für Tiefseearten.
Wie groß werden Koboldhaie?
Koboldhaie sind lebendgebärend. Neugeborene Welpen messen 80 bis 100 cm. Ausgewachsene Männchen erreichen 260 bis 380 cm, Weibchen bis über 420 cm – Exemplare bis 620 cm sind dokumentiert.
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Was fressen Koboldhaie?
Mit kleinen, nadelförmigen Zähnen (weniger als 1 cm) jagt er weichhäutige Fische und Wirbellose. Dank Elektrorezeptoren (Lorenzini-Ampullen) in der Schnauze ortet er Beute elektrisch. Er schwebt lautlos heran und schießt dann die ausfahrbaren Kiefer blitzschnell vor – ein atemberaubender Mechanismus!
Eingezogen wirkt der Kiefer unauffällig, ähnlich anderen Tiefseehaien. "Frühe Aufnahmen zeigten die Kiefer protrudiert, was alte Lehrbücher prägte", erklärt Meeresbiologe Tom Hird. "Moderne Tauchroboter zeigen nun präzise das Fressverhalten in der Natur."
Wie viele Koboldhai-Arten gibt es?
Die Familie Mitsukurinidae umfasst nur eine lebende Art: den Koboldhai. Fossile Verwandte reichen 125 Millionen Jahre zurück. Frühere "Arten" waren Artefakte der Konservierung.
Ist der Koboldhai gefährdet?
Trotz seltener Sichtungen gilt er nicht als rar, doch Populationsdaten fehlen. Als Tiefseeart ist er vor Überfischung geschützt – hoffen wir, dass es so bleibt.
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