Im Juni 2021 reichte die Wohltätigkeitsorganisation Trees for Life, die sich für Rewilding einsetzt, eine Klage gegen NatureScot ein, Schottlands Naturschutzbehörde. Grund: Sie hatte Landwirten Lizenzen erteilt, wilde Biber zu töten. Trees for Life argumentiert, dass diese Lizenzen zu großzügig vergeben werden und gegen das Gesetz verstoßen.
Diese gerichtliche Überprüfung gilt als entscheidender Testfall für Rewilding-Befürworter. Sie streben eine natürliche Ausbreitung der Biber an und plädieren für die Wiedereinführung von Raubtieren wie Luchsen.
Steve Micklewright, Geschäftsführer von Trees for Life, betont: Lizenzen zum Töten sollten nur als letztes Mittel erteilt werden, nachdem alle Alternativen wie Umsiedlung geprüft wurden. Zudem sollten sie eine feste Obergrenze für die Anzahl der zu töten Biber festlegen, statt unbegrenzt zu sein.
NatureScot sieht Kontrolllizenzen als notwendig an, etwa bei Risiken für Ackerland oder öffentliche Gesundheit und Sicherheit. Robbie Kernahan, Direktor für nachhaltiges Wachstum, erklärt: "Unser Ansatz ist robust und rechtmäßig. Lizenzen werden nur erteilt, wenn keine andere Lösung möglich ist."
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Die ersten wilden Biber wurden 2009 im Rahmen eines kontrollierten Projekts in Knapdale an der Westküste ausgesetzt. Eine größere Population etablierte sich in Tayside durch eine unbefugte Freilassung vor rund 20 Jahren. Hier führt ihr Einfluss auf fruchtbares Ackerland zu Konflikten mit Landwirten.
Dr. Helen Senn, Leiterin für Naturschutz und Wissenschaft bei der Royal Zoological Society of Scotland (Partner des Knapdale-Projekts), hebt hervor: Biber-Dämme erweitern Feuchtgebiete und fördern Biodiversität. "Allerdings können sie in der Nähe von Ackerland Ernten oder Infrastruktur zerstören."
Die schottische Regierung erlaubt eine natürliche Ausbreitung. Seit Mai 2019 sind Biber geschützt – Tötung oder Zerstörung von Dämmen erfordert eine Lizenz von NatureScot.
2019 vergab NatureScot 40 Lizenzen; Berichte deuten auf 87 getötete Biber hin, etwa ein Fünftel der Population von 2017 (letzte Erhebung; 2020-Daten ausstehend).

Die National Farmers Union (NFU) Scotland unterstützt NatureScot und lobt das System als "angemessen und verhältnismäßig". Ein Sprecher: "Es schützt betroffene Farmen vor wirtschaftlichen und ökologischen Schäden." Biber können Flussufer untergraben, Deiche beschädigen und Entwässerung behindern.
Wildtieraktivisten wie Louise Ramsay vom Rewilding-Projekt Bamff Estate fordern Alternativen: "Es gibt wenige Biber und viel Land für Umsiedlungen. Landwirte sollten ihre Praktiken anpassen."
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Dr. Alan Law, Ökologie-Dozent an der University of Stirling, sieht Biber als Schlüssel der britischen Rewilding-Bewegung. Das Urteil könnte Reintroductionen wie des Luchses beeinflussen. "Die Natur ist am Kipppunkt. Rewilding ist essenziell für ökologische Funktionen."
Das Urteil wird in bis zu drei Monaten erwartet, spätestens Ende August. Law hofft auf Konsens: "Die Vorteile der Biber sollten allen klar werden."
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