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Schimpansen und Bonobos: Begrüßung und Abschied wie bei Menschen – Studie zu gemeinsamen Verpflichtungen

Es ist unhöflich, mit dem Essen zu beginnen, bevor alle am Tisch sitzen, oder den Tisch zu verlassen, ehe die Gäste fertig sind. Schimpansen und Bonobos folgen ähnlichen sozialen Regeln.

Genau wie wir Menschen setzen diese Primaten Gesten ein, um den Beginn und das Ende sozialer Interaktionen anzukündigen. Statt 'Hallo' und 'Auf Wiedersehen' starren sie sich an oder geben laute Signale, um Fellpflege zu starten oder Spiel zu beenden.

Diese Signale deuten auf eine gegenseitige Vereinbarung hin, die die Annahme widerlegt, dass nur Menschen solche gemeinsamen Verpflichtungen eingehen. Als Expertin für Primatenverhalten, basierend auf jahrelanger Beobachtung und Forschung, bestätigt Dr. Raphaela Heesen von der Durham University diese Erkenntnisse.

Menschen, Schimpansen und Bonobos teilen einen gemeinsamen Vorfahren vor 6 bis 8 Millionen Jahren. Die Studie legt nahe, dass gemeinsame Verpflichtungen bereits damals evolviert sind.

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"Stellen Sie sich vor, Sie treffen sich zum Mittagessen mit einem Freund. Sobald Sie sich verabredet haben, schätzen Sie beide die Verpflichtung. Sie lassen Ihren Freund nicht warten oder brechen mitten im Essen ab", erklärt Dr. Raphaela Heesen, Expertin für Mensch-Affen-Kommunikation an der University of Durham.

„Bei einem Anruf während des Essens entschuldigen Sie sich, nehmen den Anruf entgegen und kehren zurück. Am Ende verabschieden Sie sich ordentlich."

Dieses Beispiel illustriert eine gemeinsame Aktion mit geteiltem Ziel und gegenseitigem Bewusstsein für Verpflichtungen, wie Heesen betont.

„Gemeinsames Engagement ist der Kitt unseres sozialen Handelns – von Forschungsprojekten bis zum alltäglichen Mittagessen."

Obwohl viele Tiere kooperieren, galt das Gefühl der Hingabe an soziale Aktivitäten lange als menschlich einzigartig.

Als Heesen und ihr Team beobachteten, wie Bonobos nach einer Unterbrechung der Fellpflege Gesten austauschten, prüften sie, ob mehr dahintersteckt: eine explizite Vereinbarung mit gemeinsamem Start und Ende.

Schimpansen und Bonobos: Begrüßung und Abschied wie bei Menschen – Studie zu gemeinsamen Verpflichtungen

Die Forscher analysierten Videos von über 1.200 Interaktionen – Fellpflege und Spiel – bei Bonobos und Schimpansen in Gefangenschaft.

„Beim Social Grooming putzen sich die Affen gegenseitig, beim Social Play jagen oder raufen sie spielerisch. Beide erfordern Koordination durch Aufmerksamkeit, Gegenseitigkeit und Kommunikation," beschreibt Heesen.

Die Primaten kommunizierten vor und nach Aktivitäten mit Gesten wie Händchenhalten, Berührungen, Kopfdrehen, Lauten, Blicken und Mimik.

Bonobos signalisierten in 90 % der Fälle vor dem Spiel mit Einstiegssignalen und Blicken, Schimpansen in 69 %. Abschiedsgesten gab es noch häufiger: 92 % bei Bonobos, 86 % bei Schimpansen.

Bei Uneinigkeit über das Ende? „Solche Fälle waren rar. Die Tiere signalisierten weiter, bis sie sich einigten," berichtet Heesen.

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Die Studie prüfte Einfluss von sozialem Status und Beziehung. Schimpansen ignorierten Hierarchien, Bonobos passten sich an: Bei weniger engen Partnern mehr Vorbereitungs- und Abschlussrituale – ähnlich unserer 'sozialen Etikette'.

„Mit engen Freunden investieren wir weniger in Höflichkeitsgesten," fasst Heesen zusammen.