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Wolliges Mammut wiederbeleben: Wissenschaftlich machbar – doch ökologisch zweifelhaft

Die Rückkehr der Toten ins Leben fasziniert Geschichtenerzähler seit jeher – von Mythen wie Orpheus und Eurydike, dem mexikanischen Día de los Muertos, Mary Shelleys Frankenstein bis hin zu Jurassic Park. Diese Idee wirkt weiterhin ihren Zauber. Wie wir in unserem Buch Strange Natures darlegen, begeistert die Vorstellung der „De-Extinction“ – die Wiederbelebung ausgestorbener Arten mittels moderner Gentechnik – Naturschützer und Kommentatoren gleichermaßen.

Der etablierteste Ansatz zur De-Extinction ist das Klonen. 2003 klonten spanische Forscher den Pyrenäensteinbock, eine Unterart des Iberischen Steinbocks, die 2000 ausgestorben war. Das Jungtier überlebte nur sieben Minuten, wurde aber als erste je wiederbelebte Art gefeiert. De-Extinction sorgt bis heute für aufsehenerregende Schlagzeilen: Mammut-Projekte prangten sogar auf dem Titelbild der April-Ausgabe 2013 von National Geographic.

Ein echtes Mammut zu klonen ist jedoch unwahrscheinlich, wie Beth Shapiro in ihrem fundierten Buch How to Clone a Mammoth erklärt. Die DNA fossiler Mammuts ist zu stark degradiert. Ähnlich unmöglich: Dinosaurier wie in Jurassic Park – reine Science-Fiction.

Ein alternativer Weg nutzt Geneditierung, um das Genom einer nah verwandten lebenden Art schrittweise an das der ausgestorbenen anzupassen. Voraussetzung: Vollständige Genomsequenzen beider Arten und Techniken wie CRISPR, wofür Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier 2020 den Nobelpreis für Chemie erhielten.

Im Fokus steht das wollige Mammut: Harvard-Professor George Church und die NGO Revive & Restore sequenzierten DNA aus arktischem Permafrost sowie vom Asiatischen Elefanten, dem nächsten Verwandten. Durch präzise Genedits entstehen Elefanten-Zellen mit mammutähnlichen Merkmalen – Hämoglobin, Fellwuchs, Fettreserven. Theoretisch könnten diese in Elefanten-Eizellen implantiert und ausgetragen werden. Das Ergebnis: Kein reines Mammut, aber näher dran als je seit seinem Aussterben vor rund 4.000 Jahren.

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Zwischen Mammut- und Elefantengenom klaffen etwa 1,4 Millionen Unterschiede. Die Überbrückung wird Jahre wissenschaftlicher Forschung erfordern – ein brillantes Experiment, das Genforschung vorantreibt und Technologien wirbt.

Während Synthetische Biologen begeistert sind, bleibt De-Extinction für Naturschützer umstritten. Charismatische Arten faszinieren Öffentlichkeit und Experten. Manche sehen Rewilding-Potenzial: Ausgestorbene Arten könnten Ökosysteme stabilisieren, unabhängig vom „echten“ Ursprung.

Doch die Vorteile sind fraglich. Laborkreaturen wären Hybride, keine originalgetreuen Arten, mit begrenzter genetischer Vielfalt. Die IUCN nennt sie „Proxy-Arten“. Wo leben sie? Die russische Tundra für Mammuts ist prekär – eine einzelne Population risikiert schnelles neues Aussterben.

Wolliges Mammut wiederbeleben: Wissenschaftlich machbar – doch ökologisch zweifelhaft

Offene Fragen: Taxonomie, Patentrecht, Ethik von Tierversuchen. Synthetische Biologie im Naturschutz ist neu, ungetestet, teuer und kontrovers. Sie lenkt von drängenden Kämpfen gegen aktuelles Artensterben ab.

Trotz Glanz ist De-Extinction nicht die vielversprechendste Anwendung. In Strange Natures beleuchten wir Alternativen: Gene Drives gegen Invasive Arten, Edits für Krankheitsresistenz oder Klimawandel-Anpassung. Hier formen wir die Zukunft des Naturschutzes – nicht nur die Vergangenheit.

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