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Die Geheimnisse der Tiefsee: Fünf brennende Fragen zur letzten unerforschten Grenze der Erde

Die Tiefsee bleibt das letzte große unerforschte Reich unserer Erde. Dieses faszinierende Ökosystem birgt Antworten auf zentrale wissenschaftliche Rätsel. Dank innovativer Technologien gelingt es Forschern nun, die Geschichte dieser abgelegenen Welt Stück für Stück zu entschlüsseln.

Entstand das Leben in der Tiefsee?

Die Geheimnisse der Tiefsee: Fünf brennende Fragen zur letzten unerforschten Grenze der Erde

Das Leben auf der Erde begann vor rund vier Milliarden Jahren. Wo genau und wie diese ersten Zellen entstanden, ist eines der großen Rätsel der Wissenschaft. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass der Ursprung in der Tiefsee liegen könnte.

2017 entdeckten Paläontologen in Gesteinen aus dem Zeitraum von 3,77 bis 4,28 Milliarden Jahren mikroskopisch kleine Röhren und Filamente aus eisenreichem Hämatit. Diese selten erhaltenen Fragmente urzeitlicher ozeanischer Kruste – der Großteil des Meeresbodens wird recycelt – ähneln Strukturen von Mikroben an heutigen hydrothermalen Quellen, den heißen Schlöten an tektonischen Plattenrändern.

Dieser Fund untermauert die Theorie des NASA-Chemikers Dr. Michael Russell aus den 1990er Jahren: Felsporen in hydrothermalen Schornsteinen hätten die Vorläufer lebender Zellen geliefert. Voraussetzung waren moderate Temperaturen und alkalische Flüssigkeiten, wie sie Energie in Zellen erzeugen.

Während 'schwarze Raucher' zu heiß und sauer sind, bietet die seltene Formation 'The Lost City' im Atlantik ideale Bedingungen. Solche 'weißen Raucher' waren auf der jungen Erde vermutlich häufiger.

Laborstudien bestätigen dies: Am Jet Propulsion Laboratory der NASA schufen Dr. Laurie Barge und Erika Flores Mini-Hydrothermalquellen und erzeugten Aminosäuren. Prof. Nick Lanes Team am University College London simulierte alkalische Quellen und bildete Protozellen-Membranen.

Diese Hypothese öffnet Perspektiven für Leben im Sonnensystem, etwa auf Enceladus oder Europa. Die NASA-Europa-Clipper-Mission könnte 2030 Hinweise auf habitablen Ozean liefern.

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Wie viele unentdeckte Kreaturen bevölkern die Tiefsee?

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Neue Tiefseearten werden Forschern noch lange nicht ausgehen. In einer dreijährigen Pazifik-Studie fotografierten ROVs rund 350.000 Tiere – Fische, Tintenfische, Korallen, Garnelen, Schwämme und Xenophyophoren. Nur ein Fünftel war bekannt.

Jede Erkundung bringt Überraschungen. 'Es ist immer ein Abenteuer', sagt Prof. Randi Rotjan von der Boston University nach ihrer Expedition zum Phoenix-Archipel auf dem FS Falkor des Schmidt Ocean Institute. Mit ROV SuBastian führten sie 21 Tauchgänge durch, sammelten Proben und Videos von komplexen Lebensformen.

Standardmethoden kombinieren Bildanalyse und Proben mit eDNA für schnellere Artenidentifikation. Genetik-Archive wie das World Register of Deep-Sea Species (Mitte 2021: 26.599 Arten) wachsen stetig.

Rotjan erforscht Korallen-Immunsysteme, relevant für Evolution und Medizin. Expeditionen wie ihre wecken Begeisterung – Videos von Walhaien und Glaskraken viralisierten. 'Wir müssen unsere verborgenen Nachbarn schützen', betont sie.

Werden wir je eine Tiefseebasis errichten?

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Kein Abgrund ist für Menschen absolut unzugänglich. Nicole Yamase tauchte 2023 als erste Pazifik-Inselbewohnerin in die Challenger Deep (11 km).

Längere Aufenthalte meistern Sättigungstaucher bei Ölplattformen. Wissenschaftler wie Jacques-Yves Cousteau pioniereten damit – sein Enkel Fabien plant Proteus, eine moderne Unterwasserstation.

'Um die Meere zu verstehen, braucht man Zeit dort unten', sagte Cousteau. Proteus, als 'Ozean-ISS' konzipiert, übertrifft Aquarius (wo er 2014 31 Tage blieb). In 18 m Tiefe vor Curaçao bietet es Platz für 12 Aquanauten, Gewächshäuser und Studio.

Verändert die Klimakrise die Tiefsee?

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Klimawandel dringt bis in die Tiefe: Zwischen Oberfläche und 2.000 m stieg die Temperatur 2019 um 0,075 °C (Energie von 3,6 Mrd. Atombomben). Bis 2100 drohen in 1.000–4.000 m +8 °C.

Versauerung trifft Korallen, Sauerstoffmangel (z. B. Nordostpazifik -15 % in 60 Jahren) Organismen. Fischerei und Bergbau stören Kohlenstoffspeicher – Tiefsee fischt CO₂ ab.

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Wie kartieren wir den Meeresboden?

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Wir kennen den Mond besser als den Meeresboden? Kartenverbesserungen ändern das. Seabed 2030 zielt auf vollständige Kartierung bis 2030 ab (800x800 m Auflösung).

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Karten dienen Navigation, Kabeln und Klimamodellen. USVs wie Sea-Kit Maxlimer beschleunigen das. Rotjans Team kartierte 14 Seamounts detailliert.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 368 des BBC Science Focus MagazineHier abonnieren