Astronomen haben einen rekordverdächtigen Hochgeschwindigkeitsstern entdeckt, der mit mehr als 6 Millionen Kilometern pro Stunde durch den Weltraum rast.
Vor etwa 5 Millionen Jahren wurde er vom supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße ausgestoßen – zu einer Zeit, als unsere Vorfahren gerade begannen, aufrecht zu gehen.
Der Stern S5-HVS1 wurde von Sergey Koposov von der Carnegie Mellon University im Rahmen der Southern Stellar Stream Spectroscopic Survey (S5) identifiziert. Er befindet sich im Sternbild Grus (der Kranich) und bewegt sich mit über 1.700 Kilometern pro Sekunde – zehnmal schneller als typische Sterne in der Milchstraße.
Douglas Boubert von der University of Oxford, Mitautor der Studie, erklärt: „Die Geschwindigkeit dieses Sterns ist so extrem, dass er die Galaxie unwiderruflich verlassen und nie zurückkehren wird.“
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Hochgeschwindigkeitssterne faszinieren Astronomen seit ihrer Entdeckung vor rund 20 Jahren.
S5-HVS1 ist einzigartig durch seine enorme Geschwindigkeit und seine Nähe zur Erde – nur 29.000 Lichtjahre entfernt. Dank dieser Daten konnten Forscher seine Bahn zurückverfolgen: Sie führt direkt zum Zentrum der Milchstraße, wo das 4 Millionen Sonnenmassen schwere Schwarze Loch Sagittarius A* lauert.
Professor Koposov, Erstautor der Studie, betont: „Das ist hochspannend, denn wir vermuteten schon lange, dass supermassive Schwarze Löcher Sterne mit solch hohen Geschwindigkeiten ausstoßen können. Nun haben wir erstmals einen klaren Beweis für eine Verbindung zum galaktischen Zentrum.“
„Das Schwarze Loch hat den Stern vor rund fünf Millionen Jahren mit Tausenden Kilometern pro Sekunde herausgeschleudert – genau dann, als die Menschheit auf zwei Beinen laufen lernte.“

Ting Li von den Carnegie Observatories und der Princeton University, Leiterin der S5-Kollaboration, fügt hinzu: „Dieser Stern zu beobachten ist atemberaubend. Er muss im galaktischen Zentrum entstanden sein, einer völlig anderen Umgebung als unserer. Er ist ein Besucher aus einer fremden Welt.“
S5-HVS1 wurde mit dem 3,9-Meter-Anglo-Australian-Teleskop (AAT) bei Coonabarabran, New South Wales, Australien, in Kombination mit Daten des Gaia-Satelliten der ESA entdeckt. Diese ermöglichten die präzise Bestimmung von Geschwindigkeit und Bahn.
Ursprünglich war S5-HVS1 Teil eines Doppelsternsystems, das Sagittarius A* zu nahe kam. Im gravitativen Wechselwirkung wurde der Begleiter eingefangen, während S5-HVS1 mit Höchstgeschwindigkeit entkam.