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Fritz Zwicky: Exzentrischer Visionär der Astrophysik – Pionier von Neutronensternen und dunkler Materie

Am 16. Oktober 1957, nur wenige Wochen nach dem Sputnik-Start, der in den USA große Besorgnis auslöste, startete eine umgerüstete V-2-Rakete von der Rampe in Alamogordo, New Mexico.

Die V-2, Deutschlands berüchtigte Wunderwaffe aus dem Zweiten Weltkrieg, konnte den Weltraum nicht erreichen. Doch in 85 km Höhe detonierte ein Sprengsatz in der Nase, der eine Ladung Aluminiumkugeln in den Orbit schleuderte.

"Die Weltraummurmeln, wie die Zeitungen sie nannten, wurden zum ersten Mal von der Erde weggeschossen, um nie zurückzukehren", schrieb Caltech-Professor Fritz Zwicky später. Seine Berechnungen zeigten: Sie umkreisten nun die Sonne. Zwicky glaubte, die Sowjets übertroffen zu haben.

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Die US-Regierung und die meisten Experten sahen das anders. Erst mit Explorer 1 im Januar 1958 trat Amerika offiziell ins Weltraumrennen ein.

Jahre später arbeitete Caltech-Student Robert Kirshner (heute Clowes-Professor in Harvard) im "Maschinenraum", als Zwicky vorbeikam. Bekannt für seine Tiraden gegen "graue Denker", trug der Rentner eine Augenklappe beim Durchsuchen alter Fotoplatten nach Supernovae. Er fragte Kirshner: "Was war das erste Objekt im Weltraum?" – "Sputnik!", lautete die Antwort.

Fritz Zwicky: Exzentrischer Visionär der Astrophysik – Pionier von Neutronensternen und dunkler Materie

"Falsch!", brüllte Zwicky und erzählte von seinen Monden. Kirshner nickte höflich. Später staunte er in der National Space Hall of Fame über eine Gedenktafel für Zwicky. "Je mehr ich nachprüfte, desto beeindruckter war ich. Seine Exzentrik und Aggressivität raubten ihm verdiente Anerkennung", sagt Kirshner.

Ein treffendes Urteil für Fritz Zwicky, den Schweizer Astrophysiker, der Neutronensterne und dunkle Materie vorhersagte, in den 1930er-Jahren Supernova-Fieber entfachte, Düsentriebwerke pionierte und fast jeden prominenten Astronomen verärgerte.

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Kip Thorne, Nobelpreisträger 2017 und Feynman-Professor am Caltech, lobt Zwickys "erstaunliches Gespür für das Universum" und vergleicht es mit Einstein und Feynman.

Seine kühnsten Ideen – wie Planeten der Sonne näherzubringen, um sie bewohnbar zu machen und Friedensliebende vor Erden-"Übeltätern" zu retten – erinnern an Kepler. "Inmitten von Mystik und Astrologie die Kepler-Gesetze", sagt Caltechs George Djorgovski.

Fritz Zwicky: Exzentrischer Visionär der Astrophysik – Pionier von Neutronensternen und dunkler Materie

Andere sehen in Zwickys Renaissance-Allroundertum Tycho Brahe, der im Duell seine Nase verlor.

In Wahrheit vereinte er Exzentrik, Genie und Unbeherrschtheit. Geboren 1898 in Bulgarien, sah er die Schweiz als Heimat – kritisierte sie aber scharf.

Aus Kristallstruktur-Experte wurde Himmelsforscher. 1930er-Jahre: Er prognostizierte Supernova-Reste als 30-km-Neutronensterne (Teelöffel: 4,5 Mio. kg). Das Neutron war neu; seine Vorlesung löste Aufruhr aus: "Die Empörung war enorm – einige drohten mit Herzinfarkt!"

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Zwickys Leitspruch: Widerstand beweist den richtigen Weg. Er zog an, stieß ab – wie die Kräfte, die er studierte. Skeptiker des expandierenden Universums nannte er "Pferde-Ärsche" oder "kugelförmige Bastarde".

Mit Walter Baade theoretisierte er Neutronensterne, endete aber in Fehde – inklusive Morddrohungen und Schlangen-Vorwürfen.

Fritz Zwicky: Exzentrischer Visionär der Astrophysik – Pionier von Neutronensternen und dunkler Materie

Seine Düsenforschung brachte ihm als erstem Ausländer die Medal of Freedom und legte den Grundstein für die Raketenindustrie. Doch McCarthyismus kostete ihn die Sicherheitsfreigabe – er weigerte sich, US-Bürger zu werden: "Einbürgerte sind zweitrangig."

Breite Interessen: Spenden für Waisenkinder, Bibliotheksrekonstruktion, Anti-Smog-Kampagnen, "Morphologie" gegen Totalitarismus.

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Zwicky glaubte an Wissenschaft als Weltretter – kritisierte Feynman als "geistig feige". Nach seinem Tod 1974 prägten Fehden seinen Ruf. Er fand 120 Supernovae, wurde aber vom 200-Zoll-Teleskop verbannt: "Diese Bastarde!"

Die Dunkle-Materie-Jagd belebt sein Erbe. Seine "verrückten" Ideen wie der Terrajet gelten nun als visionäres Genie. Die Welt lag falsch – wie er wusste.