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Peter van de Kamp: Der Astronom, der den Weg für Exoplaneten ebnete – trotz folgenschwerer Irrtümer

Peter van de Kamp gilt in der Astronomie heute oft als Fußnote. Für manche ist er eine Trivia-Frage, für frühe Exoplaneten-Jäger sogar ein warnendes Mahnmal: "Sei besser luftdicht bewiesen, oder du wirst der nächste van de Kamp."

Doch wer war dieser Niederländer wirklich? Er glaubte, die ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems um Barnards Stern entdeckt zu haben – nur sechs Lichtjahre entfernt. Seine jahrzehntelange Arbeit drehte sich um zwei mutmaßliche Gasriesen, ähnlich Jupiter und Saturn. Spätere Studien widerlegten dies jedoch einhellig.

Barnards Stern inspirierte sogar die British Interplanetary Society zu ihrer Machbarkeitsstudie für nuklear angetriebene Raumschiffe im Project Daedalus – näher als Alpha Centauri, mit potenziell bewohnbaren Welten.

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Erst 2018 entdeckte man dort einen echten Planeten: Eine Super-Erde, viermal so massereich wie unser Planet, in enger Umlaufbahn um den kühlen Roten Zwerg. Mit nur 14 Prozent der Sonnenmasse ist diese Welt jedoch eisig und lebensfeindlich – im Gegensatz zu Proxima Centauri b, nur 1,3 Lichtjahre näher, das potenziell bewohnbar sein könnte.

Seltsamerweise deuten Daten auf einen neptungroßen Begleiter in weiter Umlaufbahn hin, passend zu van de Kamps Zeitrahmen. Doch selbst wenn real, wäre er weit kleiner als seine Vision.

Trotzdem verdient van de Kamp Anerkennung: Er dachte richtig, nur zur falschen Zeit.

Doppelsterne und die Jagd nach Planeten

Geboren 1901 in den Niederlanden, kam Peter van de Kamp 1937 ans Swarthmore College nahe Philadelphia. Er reihte sich in eine goldene Ära niederländischer Astronomen ein: Gerard Kuiper (Kuipergürtel), Jan Oort (Oortsche Wolke) oder sein Cousin Dirk Reuyl, dessen Exoplaneten-Anspruch van de Kamp widerlegte.

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Van de Kamp leitete das Programm zur Erforschung von Doppelsternen. Viele Sterne, wie Alpha Centauri mit seinen drei Komponenten, sind nicht allein. Manche Paare sind optisch auflösbar, andere nicht – wie Sirius A und der winzige Weiße Zwerg Sirius B.

Sirius B, Erdsgröße mit Sonnenmasse, wurde 1844 durch Bahnstörungen von Sirius A vorhergesagt und 1862 entdeckt. Ähnlich Procyon B.

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Van de Kamp wandte diese Astrometrie auf Planeten an: Unsichtbare Begleiter verraten sich durch minimale Positionswackel des Sterns.

1942 schlug er mit Schüler Kaj Strand einen substellaren Begleiter bei 61 Cygni vor – vor Reuyls 70 Ophiuchi-Anspruch. 61 Cygni hielt länger stand.

Barnards Stern war sein dritter Versuch, nach 61 Cygni und Lalande 21185. Sarah Lee Lippincott, seine Schülerin, trug zu Ross 614B bei – ein voller Erfolg 1955.

Das Sproul-Programm verfeinerte Daten naher Sterne präzise.

Das Astrometrie-Problem

Astrometrie misst Sternpositionen und -bewegungen. Bei Doppelsternen sind Wackel messbar, bei Planeten jedoch winzig: Ein Jupiter-Masse verursacht nur Mikroverschiebungen.

Diese älteste Methode hat nie einen Planeten bestätigt – van de Kamps Verhängnis. Fehlerquellen: Teleskopwartung, Linsenfehler, Atmosphäre – oder sogar Zugdampf, wie Campus-Legenden behaupten.

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Seine Planeten existierten nicht. Doch van de Kamp war visionär: Er prophezeite Transit-Methoden (wie bei Kepler) und erkannte Radiales Wackeln früh.

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Die Radialgeschwindigkeitsmethode (ab 1988) fand Hunderte Planeten; 1995 folgte 51 Pegasi b.

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Gaia könnte Astrometrie bald revolutionieren. Van de Kamp, geselliger Mentor gegen Sexismus (u.a. für Lippincott), starb 1995 kurz vor dem Exoplaneten-Boom. Sein Vermächtnis: Pionierarbeit in der Sternen-Nachbarschaft.

Er irrte sich – aber richtig. Hätte er später gelebt, wäre er vielleicht Entdecker gewesen.