Der in Großbritannien von Airbus gebaute Solar Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat sich der Sonne bis auf 77 Millionen km genähert – etwa die Hälfte der Entfernung zur Erde. Damit entstand das genaueste Bild unseres Zentralsterns, das je aus dem Weltraum aufgenommen wurde.
Im Gegensatz zur NASA-Parker Solar Probe, die 2018 startete und noch näher herankommen kann, verfügt der Solar Orbiter über sechs Teleskope, die direkt in die Sonne blicken. Nach diesem ersten Perihel – dem sonnennächsten Punkt der Umlaufbahn – testen die Missionswissenschaftler die 10 Instrumente an Bord.
Diese Teleskope sollen das sonnennächste Foto aller Zeiten liefern, das wir Mitte Juli zu sehen bekommen.
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"Wir haben die Sonne noch nie aus einer geringeren Entfernung fotografiert", erklärt Daniel Mueller, ESA-Projektwissenschaftler für Solar Orbiter. Zwar lieferten bodengestützte Teleskope wie das 4-Meter-Inouye-Teleskop auf Hawaii höher aufgelöste Bilder Anfang dieses Jahres, doch die Erdatmosphäre blockiert große Teile des Sonnenspektrums. Vom Weltraum aus sehen wir das volle Spektrum.
Der Test bestätigt die Einsatzbereitschaft der Instrumente für kommende Beobachtungen. Weitere Sensoren erfassen Magnetfelder und Sonnenwind-Partikel, was zu neuen Erkenntnissen führen könnte.
Solar Orbiter tritt nun in die Reisephase bis November 2021 ein, gefolgt von der wissenschaftlichen Hauptphase mit Annäherungen bis auf 42 Millionen km – näher als Merkur.
"Täglich haben wir neunstündige Downloadfenster, doch die Datenrate sinkt mit der Distanz", so Mueller. "Später dauert es Monate, Daten zu übertragen – typisch für Fernmissionen. Wir speichern an Bord und senden bei besserer Verbindung."
Der Satellit startete im Februar von Cape Canaveral, Florida.
