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Phosphin in Venus-Wolken entdeckt: Starker Hinweis auf mikrobielles Leben?

Ein internationales Team renommierter Astronomen hat das Molekül Phosphin in den Wolken der Venus nachgewiesen. Die Forscher vermuten, dass es von Mikroorganismen in den hochgradig sauren Wolken produziert wird – eine potenziell bahnbrechende Entdeckung.

Auf der Erde entsteht Phosphin ausschließlich durch industrielle Prozesse oder Mikroben in sauerstoffarmen Umgebungen. Dies weckt die Frage, ob es auf der Venus eine Biosignatur für außerirdisches Leben darstellt.

Die Signatur wurde zunächst mit dem James-Clerk-Maxwell-Teleskop (JCMT) auf Hawaii erfasst und sodann mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile bestätigt. Die Wissenschaftler nutzten Absorptionsspektroskopie, um das Phosphin zu identifizieren.

Haben sie außerirdisches Leben gefunden? „Wir wissen es nicht, aber derzeit wirkt diese Erklärung plausibler als andere“, erläutert Dr. Anita Richards von der University of Manchester, die die ALMA-Beobachtungen koordinierte.

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Leiterin des Teams, Professor Jane Greaves von der Cardiff University, berichtet: „Dieses Projekt entstand aus purer Neugier, mit JCMT und zukünftigen Instrumenten. Wir wollten extreme Szenarien wie wolkenlebende Organismen ausschließen. Der erste Nachweis von Phosphin war ein echter Schock!“

Absorptionsspektroskopie analysiert Sonnenlicht, das durch die Venus-Atmosphäre tritt, und identifiziert fehlende Wellenlängen, die von spezifischen Molekülen absorbiert werden.

Phosphin in Venus-Wolken entdeckt: Starker Hinweis auf mikrobielles Leben?

„Jedes Molekül absorbiert einzigartige Wellenlängen“, erklärt Professor Charles Cockell, Astrobiologe an der University of Edinburgh (nicht am Projekt beteiligt). So können Astronomen die Atmosphärenzusammensetzung präzise bestimmen.

Die gemessene Phosphin-Konzentration beträgt nur 20 Moleküle pro Milliarde – doch sie übersteigt bekannte nicht-biologische Prozesse bei Weitem. Dr. William Bains vom MIT prüfte Alternativen wie Sonnenlicht, Mineralien, Vulkane oder Blitze: Keine erzeugte mehr als 0,0001 % der beobachteten Menge.

„Aktuell können wir nicht erklären, wie Phosphinmoleküle in den Venus-Wolken lange genug überdauern“, betont Dr. Richards.

Phosphin in Venus-Wolken entdeckt: Starker Hinweis auf mikrobielles Leben?

Nicht alle Experten sind überzeugt. „Die einfachste Erklärung: Unsere Kenntnisse der Venus-Photochemie und -Geochemie sind lückenhaft“, meint Prof. Cockell. „Biologie ist immer der letzte Ausweg.“

Die Venus-Atmosphäre ist extrem: Wolkentemperatur und -druck sind erdähnlich, doch 90-prozentige Schwefelsäure stellt eine massive Herausforderung dar. „Keine irdische Analogie existiert“, warnt Cockell.

Trotzdem begeistert ihn die Entdeckung: „Es eröffnet Türen für Biosignaturen auf habitablen Exoplaneten – ein Meilenstein für die Astrobiologie.“

Nächste Schritte: Mehr Teleskopzeit für Biosignaturen, Lokalisierung des Phosphins und zukünftige Missionen zur Venus.

„Ein britischer Durchbruch, der eine Venus-Mission dringend rechtfertigt“, freut sich Professor Emma Bunce, Präsidentin der Royal Astronomical Society.