Die Erde steht vor existentiellen Herausforderungen: Sterbende Ernten und tödliche Staubstürme zwingen die Menschheit, nach einem neuen Zuhause zu suchen.
In Christopher Nolans Film Interstellar (2014) durchquert ein Team Astronauten unter Joseph Cooper ein Wurmloch nahe Saturn, um auf Millers Planeten zu gelangen – einer ozeanbedeckten Welt, die das supermassereiche Schwarze Loch Gargantua umkreist.
Diese fiktive Vision könnte realer sein, als gedacht. Als Experten für Astrophysik und Exoplanetenforschung zeigen aktuelle Studien, dass Leben in der Nähe Schwarzer Löcher denkbar ist.
Seit einem Vierteljahrhundert haben Teleskope wie Kepler und TESS über 4.000 Exoplaneten entdeckt – Planeten jenseits unseres Sonnensystems.
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Traditionell suchen Astrobiologen nach erdähnlichen Planeten um sonnenähnliche Sterne – Orte mit flüssigem Wasser. Schwarze Löcher gelten hingegen als Symbole der Zerstörung: Sie entstehen aus kollabierenden Riesensternen und verschlingen alles mit unvorstellbarer Gravitation.
Doch Keiichi Wada vom National Astronomical Observatory of Japan und Kollegen haben das widerlegt.
Schwarze-Loch-Planeten
Der Astrophysiker spezialisiert sich auf Schwarze Löcher, kooperierte aber mit Planetenforschern. „Die Felder überschneiden sich selten“, erklärt Wada. Gemeinsam simulierten sie Planetenbildung um supermassereiche Schwarze Löcher wie Gargantua.
Planeten entstehen, wenn Gravitation Staub zu Kugeln verklumpt, die kollidieren und wachsen. Ihre Modelle aus November 2019 belegen: Ab 10 Lichtjahren Entfernung ist die Gravitation stabil genug für Planetenbildung wie um unsere Sonne.
„Erste Studie zu planetenähnlichen Objekten um supermassereiche Schwarze Löcher“, betont Wada. „Um ein solches Loch könnten über 10.000 Planeten kreisen – dank enormer Staubmengen.“
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Doch Planeten allein reichen nicht: Leben braucht Energie. Ohne Sternenlicht könnten Akkretionsscheiben dienen, wie NASA-Experte Jeremy Schnittman (Oktober 2019) berechnet.

Die Akkretionsscheibe – ein rotierendes Materialband – erhitzt sich extrem und strahlt hell. In optimaler Distanz wirkt sie sonnenähnlich. „Sie sind unglaublich hell“, sagt Schnittman. Der Taghimmel gleicht unserem, der Nachthimmel jedoch wäre 100.000-mal heller durch galaktische Sterne – doch relativistisch gebündelt zu einem Punkt.
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Hohe UV- und Röntgenstrahlung birgt Risiken, doch dicke, wolkige Atmosphären – häufig bei Exoplaneten – könnten schützen.
Licht von einem Schwarzen Loch
Sicherer: Kosmischer Mikrowellenhintergrund (CMB), Relikt des Urknalls. Pavel Bakala (Silesian University) nutzt den Gravitationslinseneffekt: Das Schwarze Loch fokussiert CMB-Strahlung wie eine Lupe.

Rotation sorgt für Tag-Nacht-Wechsel via Schattenring – wie beim Event Horizon Telescope-Foto (2019). „Ähnelt unserer Erde“, sagt Bakala. Erfordert schnelles Rotations-Schwarzes Loch nahe Lichtgeschwindigkeit.
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Zeitdilatation verlangsamt Zeit: 1 Tag dort = 1.000 Erdentage. Leben müsste ultraschnell entstehen.

Rotation des Schwarzen Lochs
Lorenzo Iorio (italienisches Bildungsministerium) warnt: Relativistische Effekte destabilisieren Achsenneigung – Schwankungen um Dutzende Grad in 400 Jahren. Schädlich für stabile Klimata (Februar 2020).

ESA-Mission LISA (2034) könnte erdgroße Planeten via Gravitationswellen detektieren – bis in ferne Galaxien.
- Dieser Artikel stammt aus BBC Science Focus Ausgabe 353. Abonnieren Sie hier